Jodi Picoult: Bis ans Ende der Geschichte

engeDie 25-jährige Sage Singer lebt seit Jahren im Verborgenen, seitdem ihr Gesicht nach einem Autounfall dauerhaft gezeichnet ist. Ihre Narben versteckt sie bei ihrer Arbeit als Bäckerin zur Schlafenszeit anderer und auch sonst geht sie nicht viel in die Öffentlichkeit. Ihre Haare trägt sie wie eine Schutzwand und selbst ihre Liebe lebt sie nicht öffentlich, denn ihr Partner ist bereits verheiratet. Seit dem Tod ihrer Mutter besucht sie eine Trauergruppe, die seit kurzem auch von dem über 90 Jahre alten Josef Weber, der bisher in der Gruppe nicht viel gesagt hat. Doch Sage und Josef spüren schnell, dass sie einander mögen und verbringen auch außerhalb der Gruppe Zeit, Dann offenbart Josef Sage ein lange gehütetes Geheimnis und stellt sie vor einen Gewissenskonflikt.

Jodi Picoult und ihre Bücher stehen für Themen, an die sich sonst selten jemand heranwagt und die dabei noch hochbrisant und unterhaltsam aufgearbeitet sind. Auch in „Bis ans Ende der Geschichte“ wagt sich Picoult an ein solches Thema: Es geht um den Zweiten Weltkrieg und die Verbrechen der SS. Josef Weber behauptet sehr schnell, zur Waffen-SS gehört zu haben, die ihren wesentlichen Beitrag in den Konzentrationslagern gehabt hat. Er habe große Schuld auf sich geladen. Das kann Sage nicht glauben, denn in der Gegenwart ist Josef ein gut integrierter Rentner, der Zeit seines Lebens sozial engagiert war und sich in viele Bereiche der Gesellschaft eingebracht hat. Doch warum sollte Josef diesbezüglich lügen? Eine spannende Suche nach der Wahrheit beginnt, bei der sich Sage auch sich selbst stellen muss.

Alles in allem ist der Roman leider ein bisschen lang geraten. Es gibt so viele Informationen und die Figuren werden derart plastisch dargestellt, doch manchmal hat man auch das Gefühl, dass weniger mehr gewesen wäre. Ohne Frage ist die Geschichte toll geschrieben und lässt sich flüssig lesen, doch nicht immer passieren wirklich interessante Dinge. Sieht man über diese kleine Schwäche hinweg, bleibt ein solider Roman mit kontroversem Thema, über das es sich zu sprechen lohnt. Man erhält neben der Geschichte zahlreiche Informationen zum Thema und ein Rückblick in die Vergangenheit einer anderen Figur lässt das Geschehen lebendig werden.

Gelungen, wenn auch ein bisschen lang. „Bis ans Ende der Geschichte“ bleibt dennoch im Grunde lesenswert.

Jodi Picoult: Bis ans Ende der Geschichte.
Bertelsmann Verlag, August 2015.
560 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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