Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger

Eigentlich ist Joachim Meyerhoff Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater. Erst im August 2017 wurde er in der traditionellen Kritikerumfrage von „Theater heute“ zum Schauspieler des Jahres gewählt. Doch er kann auch verdammt gut schreiben. Wer seine vorangegangenen drei Bücher der autobiografisch gefärbten Romanreihe „Alle Toten fliegen hoch“ kennt, hat auf den neuesten, letzten Band „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ längst gewartet und wird nicht enttäuscht.

Nun schreibt Meyerhoff über seine Zeit als junges, mit mäßigem Erfolg gesegnetes Ensemblemitglied am Theater Bielefeld und Dortmund, denn Kindheit und Jugend hat er bereits literarisch verarbeitet.

Meyerhoff bleibt seinem bekannt witzigen selbstironischen Stil treu. Die neuen, oft wahnwitzigen Eskapaden in seinem Buch handeln von einem Beziehungsgeflecht, in das sich der Erzähler immer tiefer verstrickt: In Bielefeld begegnet er der jungen, reichlich komplizierten und verkopften Studentin Hanna mit den langen Zähnen, in die er sich verliebt. Als er eine Anstellung am Theater in Dortmund bekommt, verfällt er dort der Tänzerin Franka mit den langen Beinen, mit der er feiert, trinkt und ausschweifenden Sex bis in die Morgenstunden hat. Zum Ausgleich und weil die Hallo-Wach-Tabletten ihn nicht zur Ruhe kommen lassen, besucht er morgens um vier die dicke Bäckerin Ilse in ihrer Backstube. Bei Ilse fühlt er sich geborgen. Sie trinken zusammen Schnaps, er isst von ihren Puddingbrezeln und Schweineohren, die sie bäckt und hilft in der Backstube.

Auf keine der drei Frauen will er verzichten und so wird der logistische Stress zu seinem täglichen Begleiter.

Auch am Theater hat er Stress. Immer häufiger hinterfragt er kritisch seine Rollen. Ein Solostück, in der er in einer eigenwilligen Rolle sich selbst als Ratte inszeniert, findet weder beim Intendanten noch beim Publikum Anklang und es bleibt bei einer einmaligen Aufführung.

Mit authentisch wirkenden Offenlegungen die er in seine Erzählungen legt und seinem Gespür für stimmige Dialoge, baut Meyerhoff die nötige Portion Vertrautheit zu seinen LeserInnen auf. Durch den immer wieder präsenten melancholischen Unterton wirkt sein Witz nie überzogen oder unglaubwürdig.

Man spürt förmlich, dass dieser Autor über echtes Erzähltalent verfügt, das ihm auch noch diebischen Spaß zu bereiten scheint.

Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger.
Kiepenheuer&Witsch, November 2017.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.