Jens Lubbadeh: Neanderthal

Deutschland im Jahre 2053 ist gesund. Richtig gesund. Jede Tätigkeit, die nicht gesund ist, ist verpönt. Pränataldiagnostik ist Standard und das Optimieren des Embryos teils verpflichtend (wo es Krankheiten betrifft), teils teuer für die Eltern. Die Menschen tragen ein Implantat, dass ihre Krankenkasse über mögliches Fehlverhalten informiert. Wie kann da eine offensichtlich missgebildete Leiche auftauchen? Und noch seltsamer, es handelt sich nicht um Mißbildungen, sondern die Leiche ist ein Neandertaler, allerdings gerade erst gestorben. Im Neandertal bei Düsseldorf tauchen weitere solcher frischen Leichen auf und der taube Experte Max Stiller wird hinzugezogen. Er bestätigt beides, den offentsichtlich neandertalischen Knochenbau und die Jungheit der Skelette.

Deutschland im Jahre 2053 ist zwar gesund, aber nicht glücklich. Die große „German Depression“ trifft immer mehr Menschen. Es geht weit über das hinaus, was eine „normale“ Depression ausmacht und treibt immer mehr Menschen, gerade Jugendliche, in den Selbstmord. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Depression und dem optimierten Menschen? War der Neandertaler glücklicher?

Max Stiller macht sich auf die Suche nach der Wahrheit und findet dabei viel über die Entwicklung der Genbehandlung und ihrer Anfänge heraus.

Jens Lubbadeh hat einen großen, intelligenten Roman über Genetik und Optimierung geschrieben. Und spannend ist er noch dazu. Eingeflochten ist die Geschichte einer Neandertalergruppe aus der Frühzeit, die sich mit dem Homo Sapiens bei seinem Auftauchen paart. Und eine große Erkenntnis: Wir haben alle noch ein paar Neandertalergene in uns. Sehr spannend fand ich auch die optimierte Gesellschaft und ihre Auswirkungen. Ehrenmorde, weil Behinderungen plötzlich Angst machen – und eben verhindert werden könnten.

Jens Lubbadeh: Neanderthal.
Heyne, November 2017.
528 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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