Jennifer Estep: Elemental Assassin 15: Spinnenwinter

Was macht man, wenn man wie Gins Pflegebruder von der Mutter in Chattanooga, Georgia nicht Tennessee einen ganzen Vergnügungspark nebst Luxus Resort vererbt bekommt? Richtig, man macht Urlaub. Ferien mit der Geliebten und die Schwester nebst ihrem Lover lädt man gleich mit ein. Dass sie hier von ihren natürlich mehr als fiesen Gegnern bereits sehnsüchtig erwartet werden, kommt nun nicht wirklich überraschend. Mehr schon, dass es sich bei dem Vampir, der sie auf seiner Abschussliste hat, um einen alten Bekannten von Gins Mutter handelt. Es geht, wie kann es auch anders sein, natürlich um den Kreis, eine höchst geheime Gesellschaft Ashlands, die als Drahtzieher im geheimen hinter dem organisierten Verbrechen steckt. Und mit dem Kreis hat Gin noch so manche Rechnung offen – hat diese damals doch den Mord an ihrer Mutter gut geheißen. In der zum Park gehörenden Westernstadt kommt es dann zu einem Show-Down, der jeden Western neidisch macht – Marke, Gin gegen Riesen, eine Attentäterin mit Feuermagiekugeln und einem zu allem entschlossenen alten Vampir.

Wie jede wirklich gute Sitcom, letztlich ist die Geschichte der Attentäterin Gin Biance nichts anderes, muss die Story immer weitergehen. Was mit der Suche nach der Mörderin ihrer Schwester und der Mutter begann, das geht nun, nach einigen letztlich irrelevanten Zwischenplots, mit dem fünfzehnten (!) Band in seine zweite Runde. Nun macht sich die Spinne auf, die Drahtzieher hinter den Morden an ihrer Familie zu suchen.

Schon im vorhergehenden Band wurde der Grundstein gelegt, jetzt gerät unsere Köchin und Killerin erstmals mit einem der Mitglieder des Kreises direkt aneinander.

Nachdem uns die Autorin die Figuren weitgehend abschließend vorgestellt hat, nutzt sie den frei gewordenen Platz, um uns die neue Bühne – vorliegend der Western-Vergnügungspark – etwas ausführlicher zu beschreiben. Dies geht gerade zu Beginn des Romans zu Lasten des Tempos – aber keine Angst, letzteres zieht ab Mitte des Buchs deutlich an und dann erhält der Leser die gewohnte Mischung. Eine super-toughe Kämpferin mit einem nachvollziehbaren, gerechten Motiv auf ihrer Seite zeigt den Bösen einmal wieder, was eine Harke ist. Dass die Gegnerinnen – wie so oft sind die weiblichen Counterparts die interessanteren Antagonisten – nicht einfacher zu besiegen sind liegt dabei in der Natur der Sache. Immer wieder müssen wir um unsere Protagonistin bangen, scheint sie ihren Kopf kaum mehr aus der Schlingen ziehen zu können nur um uns dann doch wieder positiv zu überraschen. Das ist von seiner Grundanlage her bekannt, vielfach genutzt und müsste uns deswegen eigentlich langweilen, nur tut es dies nicht. Zu rasant geht es ins Finale, zu fies sind die Bösewichter (die mich immer ein wenig an James Bond Gegenspieler erinnern) zu überraschend die Auflösungen.

Erstaunlich ist, dass die Autorin ohne große oder kleine Verluste an Sympathieträgern auskommt – und man ihr dieses Wunder angesichts der mannigfaltigen Gefahren und gnadenlosen Gegner auch noch abnimmt. Alles nicht ganz realitätskonform aber mega unterhaltsam.

So erwartet uns weiterhin packende Action ohne großen Tiefgang, die uns vom tristen Alltagsgeschehen ablenken und Entspannung bringen soll – kann man sich doch darauf verlassen, dass unsere Heldin am Ende zwar gerupft aber siegreich aus allen Auseinandersetzungen hervorgehen wird.

Jennifer Estep: Elemental Assassin 15: Spinnenwinter.
Piper, März 2021.
384  Seiten, Taschenbuch, 14,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.