Jennifer Estep: Black Blade 02: Das dunkle Herz der Magie

herzEinst, gar nicht allzu lange ist es her, da war Lila Meriweather nur eine Diebin. Na gut, sie war die beste Diebin in Clouburst Falls, der Stadt der Magie, in der die magischen begabten Familien regieren.

Seitdem Victor Draconi vor Jahren ihre Mutter grausam umgebracht und zerstückelt hat, treibt sie nur ein Wunsch an – Rache. Dass sie zwischenzeitlich als Leibwächterin den Sinclair-Erben eine neue Heimat gefunden hat, eine Familie, die sie auffängt und in der sie sicher ist stellt sie vor größere Rätsel. Kann sie, nein besser will sie dem Frieden und der ausgestreckten Hand trauen, oder doch sich lieber nur auf sich selbst, auf ihre magischen Kräfte und Talente vertrauen?

Schlimmer noch, soll sie dem inneren Wunsch Devon Sinclair in ihr Leben zu lassen nachgeben?

Noch kann sie der Entscheidung ausweichen, auch, weil eine Serie von rätselhaften, brutalen Morden an Monstern sie ebenso beschäftigt, wie das anstehende Turnier der Klingen, in dem es um Macht und Ansehen in der Stadt geht. Die letzten zwei Jahre hat Deah Draconi das Turnier für sich entscheiden. Ihr despotischer Vater erwartet nichts anders, als dass sie auch beim dritten Mal auf dem Treppchen ganz oben steht.

Lila könnte sie besiegen, wenn es da nicht eine Prophezeiung geben würde, dass der Sieg langfristig zur Niederlage im Kampf gegen Victor führen würde. So muss Lila sich im letzten Kampf entscheiden – zwischen dem Triumph den verhassten Draconis den Preis weggeschnappt zu haben oder ihrer Sucht nach Rache – zumal ein gewisser familiärer Aspekt ebenfalls noch mitspielt …

Mittelbände einer Trilogie, die erfahren Leser wissen dies, sind immer eine gar schwierige Gratwanderung für Autor wie Rezipienten. Zwar muss der Plot vorangetrieben werden, es darf aber noch nicht zu viel offenbart werden, sonst ist die Spannung für das grosse Finale weg.

Jennifer Estep hat diese Aufgabe vorliegend mit Bravour gemeistert. Nachdem sie im Auftaktband ihren Handlungsort, die Machtstrukturen der magisch begabten Familien, die besondere Ausgestaltung der Magie selbst und die Hauptfiguren eingeführt hat, nutzt sie den vorliegenden Text dazu, die Charaktere detailreicher zu beleuchten.

Dabei werden nicht nur weitere Geheimnisse eingeführt, sondern auch der grosse Plan des Antagonisten offenbart. Mit hineinverwoben hat die Autorin eine unaufdringliche Liebesgeschichte, die erneut auch dazu genutzt wird, den Charakter unserer Heldin näher zu zeichnen. Sie traut, ausgehend von ihren bisherigen Lebenserfahrungen kaum Jemanden, wurde oft, zu oft enttäuscht, verraten und verlassen. So fällt es Lila schwer, sich zu öffnen, Vertrauen zu investieren und sich auf Andere zu verlassen. Diese innerer Einsamkeit die sie offenbart macht sie als Protagonistin so real und sympathisch kann doch jeder Leser die Furcht erneut verletzt zu werden nachvollziehen.

Dazu kommen weitere Eröffnungen, die einschlagen wie eine Bombe. Der abschließende dritte Teil hat dabei, nach dem was sich bislang abzeichnet das Potential die Trilogie zu einem fulminanten Finale zu führen. Vorliegendes Buch lässt den Leser auf jeden Fall nägelkauend und angesichts der packenden Kämpfe und der sensationellen Enthüllungen gleichsam befriedigt wie erschöpft zurück.

Jennifer Estep: Black Blade 02: Das dunkle Herz der Magie.
ivi, Mai 2016.
384 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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