Jean Cocteau: Thomas der Schwindler (1923)

Der Manesse-Verlag, der sich auf Klassiker spezialisiert hat, hat einen Roman von 1923 neu übersetzen lassen: „Thomas der Schwindler“ von Jean Cocteau. Darin gibt sich ein 16-Jähriger als 19-jähriger Sohn eines Generals aus und verschafft sich auf diese Weise im 1. Weltkrieg Ansehen und Zutritt in Kreise, die ihm sonst verschlossen wären.

Gemeinsam mit einer Prinzessin und deren Tochter reist er in einem Wagen-Konvoi an die Front nach Reims, um Verwundeten zu helfen. Die Drei begreifen den Krieg dabei jedoch eher als spannende Theater-Kulisse, die gut dazu taugt, ihnen die Langeweile zu vertreiben, als als grausames Gemetzel.

Der kurze Roman ist in einem stakkatohaften Stil verfasst, der gelegentlich so wirkt, als habe der Autor lediglich eine Handlung skizzieren wollen, um sie später noch detaillierter auszuführen. Dazu angetan, dem Leser die Figuren näher zu bringen, ist dieser Erzählstil nicht.

Sehr erhellend ist ein Nachwort von Iris Radisch, das Jean Cocteau als Dandy beschreibt, der in seinem Leben keinen Tag einer geregelten Arbeit nachgegangen ist, sondern seine Zeit damit verbracht hat, die richtige Kleidung für den abendlichen Ball oder Theaterbesuch zusammenzustellen. Es gibt alte Romane, die dürfen getrost in der Mottenkiste bleiben.

Jean Cocteau: Thomas der Schwindler (1923).
Manesse Verlag, April 2018.
192 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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