Jane Harper: Ins Dunkel

Der Ermittler Aaron Falk soll so schnell wie möglich Beweise vorlegen, damit eine schon lange verdächtige Melbourner Firma überführt werden kann. Ausgerechnet jetzt bricht Alice, seine wichtigste Informantin, mit einigen Kollegen und ihren Chefs zur alljährlichen Wanderung ins Giralang-Massiv auf. Jeweils fünf Frauen und Männer wandern in zwei Gruppen durch einen Wald. Jede Gruppe nimmt eine eigene Route, wer zuerst nach drei Tagen das Ziel erreicht hat, gehört zum Gewinnerteam. Das Spiel Männer gegen Frauen beginnt jedoch mit einigem Unmut, weil jeder von ihnen kurz vor einer Beförderung steht. Daniel und Jill, die Firmeninhaber, führen jeweils ihre Gruppe an. Bei Regen und Kälte geht es los. Doch in der Frauengruppe bahnen sich aus verschiedenen Gründen Konflikte an. Alte Rechnungen wollen beglichen werden. Während die Männergruppe wie erwartet pünktlich das Ziel erreicht, verirren sich die Frauen. Nur vier von ihnen finden ziemlich lädiert auf Umwegen aus der Wildnis heraus. Ausgerechnet Alice, die Falk die letzten Beweise für ein Ermittlungsverfahren gegen ihre Chefs liefern soll, bleibt verschwunden. Während die Medienvertreter wüste Spekulationen verbreiten, versuchen Falk und seine Kollegin Carmen, Alice Spur zu finden.

Nach ihrem erfolgreichen Debüt präsentiert Jane Harper ihren zweiten Thriller. Auf zwei Erzählebenen lädt sie ihre Leser zu einer kurzweiligen Schnitzeljagd ein, die die Ereignisse einiger Tage umspannen. Nach einer einleitenden Rückblende als Appetithäppchen beginnt zum einen die konfliktbeladene Wanderung der Frauengruppe. Der zweite Erzählstrang konzentriert sich auf Falk, der die dürftigen Spuren und Aussagen zu einem vollständigen Bild zusammenzusetzen versucht. Bis zum Ende gelingt es Jane Harper, die Offenbarung der wahren Ereignisse zurückzuhalten. Die Grenzen zwischen Täter und Opfer verschwimmen, denn alle Beteiligten haben eine falsche Abbiegung auf ihrem Lebensweg genommen, oder im falschen Moment eine falsche und zugleich folgenreiche Entscheidung getroffen. Eine Verkettung vieler Fehlentscheidungen wird damit in Gang gesetzt. Daraus kann nur eines entstehen: ein aus der Kontrolle geratenes Drama.

Jane Harper: Ins Dunkel.
Rowohlt, Juli 2018.
416 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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