Jan Wiechert: Scheidung mit dem Beil

Der historische Kriminalfall um Maria Dorothea Huther ist ein Buch aus der Regionalgeschichtenreihe des Gmeiner Verlags. Autor Jan Wiechert hat sich mit den im Hohenlohe-Zentralarchiv gelagerten Dokumenten befasst und sich dem Inhalt der Strafprozessakte gegen die 1777 des Mordes an ihrem Ehemann verdächtigten Maria Dorothea Huther angenommen.

Maria Dorothea Huthers getöteter Mann Peter war Wanderhandwerker und übte den Beruf eines Schmierbrenners aus. Er wurde tot und übel zugerichtet von zwei Bauern auf deren Feld neben zwei zuvor entwendeten Pflugsägen aufgefunden.

Jan Wiechert beleuchtet mit seinem daraus entstandenen zeitgenössischen Text einführend geschichtliche und geografische Hintergründe und zeigt eben diese Mordermittlungen aus dem 18. Jahrhundert auf. Die Informationen aus der Strafprozessakte sind exakt übernommen und unverfälscht wiedergegeben.

Die Möglichkeiten zu einer objektiven Beweisführung in der damaligen Zeit waren begrenzt und mit der oberflächlichen Untersuchung von Tatort und der Obduktion der Leiche weitgehend erschöpft. So mussten weiterführende Zeugenbefragungen und Vernehmungen von Verdächtigen geführt werden. Auf den ersten Seiten werden sämtliche dieser später in der Mordakte auftauchenden Personen aufgelistet. Einhergehend mit diesen Personen erfährt man, wie diese Menschen damals in der Region Hohenlohe im Nordosten Baden-Württembergs gelebt haben und welche Arbeiten sie ausübten. In weiterführenden Informationen über den getöteten Peter Huther wird dargestellt, wie er als Schmierbrenner arbeitete und wie die Schmierbrennerfamilie im Sommer in den Wäldern kampierte. In einem anderen Kapitel geht der Autor auf die für die Aufklärung des Mordes zuständigen Männer der Verwaltung der Kleinstadt Langenburg näher ein. So werden zum Beispiel die Aufgaben eines Amtsknechtes geschildert, der unter anderem mit Botengängen, Reinigung eines städtischen Brunnens, Aufsicht bei öffentlichen Tanzveranstaltungen oder dem Umgang mit den Inhaftierten, die in seinem Haus oder im Turm einsaßen, betraut war: Gegen alle seine Arrestanten hat er Bescheidenheit zu gebrauchen, mit leichtsinnigen Reden sie nicht zu ärgern, oder ohne Noth harten Worten auszusetzen, sondern mißethätige Personen soll er vielmehr zur Erkänntnuß und Geständnuß ihrer Mißethaten, wohlmeinend anzuleiten, auch sonsten bey guten und bußfertigen Gedanken zu unterhalten suchen.“ S.73.

Gleichermaßen informativ sind die Darlegungen über Bürgerrechte, winterliche Lichtstuben uvm. Dazwischen lesen sich immer wieder die Ausführungen und oftmals widersprüchlichen Aussagen Maria Dorothea Huthers über ihr Ehe- und Familienleben, in dem sie nicht glücklich war und sich ihre Freiheiten suchte.

Die verschiedenen bildlichen Darstellungen (u. a. der geöffnete Schädel des Opfers, das Funktionsschema eines Schmiedeofens, die Ablichtung einer handgeschriebenen Seite des Verhörprotokolls uvm.) liefern zusätzlich interessante zeitgeschichtliche Einblicke.

Man darf beim Lesen dieses Buches keine Romanhandlung erwarten. Vielmehr hat der Autor seinen Focus auf informative Einblicke in das Leben in der Region Hohenlohe im 18. Jahrhundert und insbesondere auf die authentische Wiedergabe dieses spektakulären Kriminalfalles gelegt.

Jan Wiechert: Scheidung mit Beil: Das Schicksal der Maria Dorothea Huther – Ein Kriminalfall des 18. Jahrhunderts.
Gmeiner Verlag, Oktober 2018.
160 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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