Jan Weiler: Kühn hat Ärger

Mit den Figuren aus dem „Pubertier“ und „Maria, ihm schmeckts nicht“ haben die Krimis von Jan Weiler wenig gemeinsam. Der Kommissar Martin Kühn des 50-jährigen Düsseldorfers ist wesentlich humorfreier als Weilers Antonio oder Maria. Jetzt ist – drei Jahre nach dem ersten Band „Kühn hat zu tun“ der zweite Band der noch jungen Krimireihe erschienen: „Kühn hat Ärger“.

Ehefrau Susanne benimmt sich komisch, Martin Kühn wittert einen Seitensprung, aber der Hauptkommissar selbst streckt auch die Fühler nach anderen Frauen aus. Dabei hätte er eigentlich genug zu tun, den ein junger Mann ist erschlagen und eine Schülerin ist mit einem Joghurt aus dem Supermarkt vergiftet worden. – Zwei Fälle, die nichts miteinander zu tun haben, außer, dass sie Menschen des reichen und armen Teils von München gegenüberstellen. Und beide Fälle löst Kühn am Schluss auch nicht gerade befriedigend für den Leser.

Jan Weilers Held ist ein Jedermann, nicht gerade ein pfiffiger Hauptkommissar, und seine Ermittlungsmethoden sind zuweilen eigenwillig. Und Martin Kühn ist auch beeindruckt von der Welt der Reichen und Wohltätigen, zu der er als einfacher Polizist und Berufspendler aus einem Neubauviertel vor den Toren der Stadt nicht gehört. – Wieder eine Sinnkrise im Leben des Mannes, der gerade um seine Ehe bangt.

Die Figur des Ermittlers, dem ständig Gedanken im Kopf herumsausen, der sich auf nichts richtig konzentrieren kann, hat Jan Weiler sehr schön weiterentwickelt. Dass dieser Endvierziger immer stärker in eine Lebenskrise geraten wird, ist vorhersehbar und geistreich beschrieben. Ein klassischer Krimi ist das nicht, mehr ein Gesellschaftsroman. Der liest sich unterhaltsam, ist stellenweise auch humorvoll und immer klug, aber die Qualität von Jan Weilers anderen, sehr viel pointierter geschriebenen Büchern hat er nicht.

Jan Weiler: Kühn hat Ärger.
Piper, März 2018.
400 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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