Jan Peter Wiborg & Susanne Wiborg: Glaube, Führer, Hoffnung – Der Untergang der Clara S.

claraIm Frühjahr 1945 ist Clara S. noch immer eine begeisterte Anhängerin des Nazi-Regimes, glaubt an die Wunderwaffe bis zuletzt und scheint es für einen dummen Zufall zu halten, dass die Rote Armee bereits vor den Toren ihrer Heimatstadt Stettin steht. Ihre letzte Spur führt nach Rügen … und dann nichts mehr. Keine Leiche, keine Nachricht, nichts. Clara verschwindet einfach, taucht ein in den Pool von verschämten Erinnerungen. Der Art von Erinnerungen, bei denen man fragende kleine Mädchen mit den Worten „Da war halt Krieg, das war halt so“ zum Schweigen bringt.

Beinahe 60 Jahre später findet Susanne Wieborg die Briefe ihrer verschollenen Tante aus Stettin, der Tante, die sie nur von einer einzigen Zeichnung aus der Stube der Großmutter her kennt. Sie macht sich auf die Suche und am Ende wird sie versuchen, die Geschichte von Clara S. aufzuschreiben.

Dabei versucht sie, die Situation der Mädchen wie Clara nachzuempfinden, versucht zu verstehen, warum sie der Nazi-Propaganda so ganz und gar verfallen konnten. Sie versucht aus Andeutungen und längst vergessenen und verdrängten Familien-Legenden nicht nur die letzten Tage, sondern die letzten Jahre ihrer Tante zu rekonstruieren. Das ist nur zum Teil gelungen, weil vieles Spekulation bleibt und vor allem nichts erklärt oder verdeutlicht – zumindest für mich nicht. Ich wollte gerne anhand eines Einzelfalls versuchen, nachzuvollziehen, was in den jungen Menschen vorgegangen sein könnte, die dem Regime so ganz und gar verfallen waren. Anhand der Betonung der Briefe der Tante hatte ich mir auch vorgestellt, dass diese einen größeren Raum in dem Buch bekommen hätten. Leider haben sie aber nur sehr wenig Platz und der Großteil des Buches besteht aus der Suche der Nichte nach Spuren.

Kein schlechtes Buch, hat aber meine persönlichen Erwartungen nicht erfüllt.

Jan Peter Wiborg & Susanne Wiborg: Glaube, Führer, Hoffnung – Der Untergang der Clara S..
Antje Kunstmann, März 2015.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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