James Lee Burke: Vater und Sohn

Der ehemalige Texas Ranger Hackberry Holland lebt nach seinen eigenen Regeln. Er erschießt nur die Männer, die besser tot als lebendig sind. Eines Tages soll er beim Überfall eines Zuges helfen, in dem sich angeblich bewaffnete Soldaten aufhalten. Als der Rauch verfliegt, hat Hackberry erstmalig auf Kinder und Frauen geschossen. Er gerät ins Grübeln und zieht eine Bilanz über sein Leben. Eine gescheiterte Ehe und eine misslungene Beziehung wollen ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen. Mit seiner letzten Frau Ruby hat er einen gemeinsamen Sohn. Beide hat er aufgrund von Missverständnissen und Intrigen aus den Augen verloren. Inzwischen ist Ishmael Soldat und von Granatsplittern schwer verwundet. Auf der Suche nach ihm kommt Hackberry einem skrupellosen Waffenhändler in die Quere. Seine Einmischung hat weitreichende Folgen.

James Lee Burke ist nicht nur ein erfolgreicher Krimiautor, er hat auch seit Jahrzehnten in der Literaturlandschaft einen angestammten Platz inne. Sein episch angelegter Roman spiegelt Texas im Jahr 1916 wider. Rassismus, Korruption und knallharte Gewalt gegen jeden, der den Reichen und Mächtigen im Weg steht, bilden den Hintergrund einer unglücklichen Familiengeschichte. Hackberry und seine Familie kämpfen jeder für sich um ihr Leben und Überleben. Dies liest sich sehr kurzweilig und schenkt Einblicke in eine vergangene Zeit, in der ein Hauch des guten, alten Western weht. Harte Kerle, wehrhafte Frauen schießen und prügeln sich den Weg frei, wenn Auseinandersetzungen mit Worten nicht zu lösen sind. Die schnörkellose Sprache passt sehr gut zu dem »naiven« Hackberry, der seinen Feinden unmissverständlich rät, keinen Ärger zu machen. So wie der Zwei-Meter-Mann austeilt, kann er auch klaglos einstecken. Wenn ihn seine Ehefrau zum Beispiel im trunkenen Zustand an die Matratze näht und anschließend vermöbelt, wären andere Männer sicherlich nachtragender. Bei männlichen Kontrahenten dagegen kennt er keine Gnade. Das bewährte Muster einer gegen alle beziehungsweise gegen das Böse funktioniert und schenkt kompromisslose Unterhaltung.

James Lee Burke: Vater und Sohn.
Heyne, November 2016.
400 Seiten, Taschenbuch, 17,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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