James Comey: Größer als das Amt

In diesem Buch zeigt der ehemalige FBI-Direktor der Vereinigten Staaten seinen beruflichen Werdegang und Begebenheiten aus seiner Kindheit und Jugend auf.

Letztlich ist es aber auch eine wohlüberlegt formulierte Abrechnung mit Präsident Donald Trump: Als Jugendlicher war Comey Opfer von Ausgrenzungen und Mobbingattacken seiner Mitschüler. Mit 16 Jahren wird er Opfer eines gefährlichen Einbrechers, der in sein Elternhaus eindringt und ihn und seinen Bruder bedroht. Dennoch war dies nicht der Ausschlag, dass er beruflich den Weg in die Justiz wählte.

Als Comey 1987 als Staatsanwalt in die Dienste des Gerichtsbezirks NY Süd in Manhattan eintritt, hat er seinen Traumjob unter dem damaligen Chef Rudy Giuliani gefunden. Der ranghöchste amerikanische Mafioso Gravano, der Zeuge der Anklage wird, bringt Comey die Regeln des Mafialebens nahe. Unter Comey und Dutzenden von weiteren Ermittlern und Strafverfolgern werden mächtige Mafiabosse hinter Gitter gebracht. 2003 übernimmt Comey das Amt des stellvertretenden Justizministers. Im Antiterrorkampf in der FBI-Zentrale arbeiten führende Köpfe des CIA und einflussreiche Regierungsmitglieder gegen Comey. Gängige Folterpraktiken des CIA (u. a. das simulierte Ertrinken) nach Nine-Eleven überschreiten rechtliche Zulassungsgrenzen, denen Comey sich erfolglos widersetzt.

Nachdem er das Justizministerium unter Präsident George W. Bush 2005 verlässt, tritt Comey vorübergehend in die Privatwirtschaft ein. Barack Obama ernennt Comey 2013 zum FBI-Direktor. Immer wieder ist aus den Zeilen herauszuhören, wie sehr Comey Präsident Obama schätzt. Ganz im Sinne von Comey wünschte Obama sich Kompetenz und Unabhängigkeit, wollte das FBI nicht in Politik verstrickt sehen. Positiv erwähnt er auch Obamas Gabe, auf sein Umfeld einzugehen, hebt seinen guten Führungsstil oder seinen Sinn für Humor hervor. Auch Präsident Bush spricht Comey einen gewissen Sinn für Humor zu, der jedoch oft auf Kosten anderer ging.

Die Datenverschlüsselung nach den Enthüllungen des Whistleblowers und ehemaligen CIA-Mitarbeiters Edward Snowden bezeichnet Comey als sein größtes Problem während seiner Amtszeit. Nachrichtendienstliche Infos auszuwerten oder Kommunikationen feindlicher Akteure zu überwachen wurden durch nun geschützte Verschlüsselungen erheblich erschwert.

Durch die E-Mail-Affäre von Hillary Clinton stand die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaats auf dem Spiel. Ihr Umgang mit dienstlichen E-Mails und die Verbindungen Donald Trumps zu Russland im Wahlkampf 2016 erforderten zeitaufwändige, konsequente  Recherchen von Comey und seinem Team. Die Brisanz dieser Ermittlungen spiegelte sich in den kontroversen Haltungen der politischen Lager und der Bevölkerung.

Präsident Trump, dem Comey jegliche emotionale Intelligenz abspricht, forderte von Comey wiederholt Loyalität, was Comey als surreal bezeichnet und mit mafiösen Initiationsriten vergleicht. Нichts an seinem Verhalten entsprach auch nur im Geringsten dem, was man von einer Führungspersönlichkeit erwarten könnte…“(eBook S. 245)

„Während meiner gesamten Laufbahn war der Nachrichtendienst allein meine Sache gewesen und die Politik die Sache der anderen. Das Trump-Team aber versuchte, das zu ändern.“ (eBook S. 228).

Im Mai 2017 entlässt Präsident Trump James Comey mit sofortiger Wirkung. – Ein Akt, so mutmaßt Comey damals selbst, um die Ermittlungen des FBI in der Russland-Affäre zu blockieren.

Comey fühlte sich stets der Loyalität seines Amtes verpflichtet. Aufrichtigkeit, Prinzipientreue und die Wahrheit ans Licht zu bringen, waren sein Credo.

Seinen Mitarbeitern empfahl Comey, Martin Luther Kings „Brief aus dem Gefängnis in Birmingham“ zu lesen. Er bezeichnet diesen Text als einen der wichtigsten, den er jemals selbst gelesen hat. – Hierin geht es um Strategien, um in einer ungerechten Welt Gerechtigkeit zu finden.

Wie schwierig es sich für James Comey gestaltete, Verfassung und Rechtsstaat von parteipolitischen Machtinteressen zu trennen, welche vorausschauenden Gedanken es erforderte, bevor Entscheidungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden,  welche Hürden ihm im Weg standen, welches Handeln nach den gesetzlichen Vorgaben möglich, bzw. sinnvoll war und viele weitere Abhandlungen lesen sich durchwegs spannend.

James Comey: Größer als das Amt: Auf der Suche nach der Wahrheit – der Ex-FBI-Direktor klagt an.
Droemer, April 2018.
384 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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