Jacques Berndorf: Eine Reise nach Genf (1993)

Man muss schon eine Autoren-Institution sein, um erleben zu dürfen, dass seine Werke mehrfach und in verschiedenen Verlagshäusern neu herausgebracht werden. Jaques Berndorf, 1936 in Duisburg geboren, darf dies für sich in Anspruch nehmen. Aus Anlass seines 80. Geburtstags bringt der KBV Verlag frühe Werke Berndorfs als Neuauflage heraus, was sicherlich auch einer Verbeugung vor dem Lebenswerk des Autors gleichkommt. Dazu gehört u.a. auch „Eine Reise nach Genf“.

Jaques Berndorf, dessen erzählerische Bühne in der Eifel steht, konfrontiert seinen Protagonisten Siggi Baumeister mit einem realen Fall. Die meisten der Berndorf-Leser haben das Bild des toten Uwe Barschel in der Badewanne eines Genfer Hotels sofort vor Augen. Eine Erinnerung, die der Autor bewusst erzeugt. Zumal die fiktiven Ermittlungen des Siggi Baumeister zum Teil mit den realen Ermittlungsständen der Polizei übereinstimmen.

Dafür muss der ambitionierte Journalist und Ermittler „seine“ Eifel verlassen und sich zunächst nach Kiel und später nach Genf begeben. Kein Wunder, dass seine Fragen dort unangenehm auffallen. Mord oder Selbstmord? In welche Fänge war der deutsche Politiker geraten? Für Baumeister deutet einiges auf Mord hin. Dass er nicht ganz falsch liegt, stellt er in dem Moment fest, als sein eigenes Leben und das seiner Begleiterin Minna in Gefahr gerät.

Im Laufe seiner Recherche werden die beiden mit der uralten Frage nach dem perfekten Mord konfrontiert. Gekonnt setzt der Autor die Frage wie eine Klammer um seinen Stoff ein. Zu Beginn wagt er die These, dass ein perfekter Mord nur dadurch perfekt wird, indem ungeplante Zufälle dem Täter helfen. Im neunten Kapitel belegt er seine These am eigenen Fall. Geschickt gemacht! Dabei

erzählt Berndorf seine Geschichte in der von ihm gewohnt spannenden und damit unterhaltsamen Weise. Seinem Protagonisten legt er gut recherchierte Zusammenhänge in den Mund, denen der Leser gut folgen kann.

Mit „Eine Reise nach Genf“ holt den langjährigen Eifel-Krimi-Leser im Jahr 2017 die eigene Lese-Vergangenheit ein. Der im Laufe der Zeit zum Serienheld avancierte Baumeister gibt hier den ungehobelten „grauen Eifelwolf“, der noch ohne die später liebgewordenen Begleiter ermittelt. Ein kauziger Typ, der sich als „Frauenversteher“ schwer tut, aber viel Verständnis für seine Katze aufbringt. Doch Eifel-Krimi-Leser wissen, dass der Autor „seinem Siggi“ in der Fortschreibung dessen Werkes noch erstaunliche Entwicklungen zumutet. Kaum zu glauben, dass aus dem Einzelgänger in Genf später ein überzeugter Teamplayer wird. Für einen Serienleser, wie ich es bin, stellt dies einen zusätzlichen Spannungsbogen bei der Lektüre des berndorfschen Frühwerks dar.

Auch darum, weil sich inzwischen die Anzeichen dafür mehren, das wir uns langsam von Siggi Baumeister verabschieden müssen, da seinem Erfinder die Pfeife nicht mehr schmeckt.

Jacques Berndorf: Eine Reise nach Genf (1993).
KBV, April 2017.
290 Seiten, Taschenbuch, 10,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Martin Simon.

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