Jacqueline Sheehan: Das namenlose Mädchen

Delia ist 32 Jahre alt, als sie ihr Leben umkrempeln will und nochmal von vorne beginnen möchte. Ein Café möchte sie gemeinsam mit ihrer 26-jährigen Schwester Juniper eröffnen und dort täglich Brot und Kuchen backen. Ihr Job beim Pflegekinderdienst ist schon gekündigt, nur noch einen Monat, dann hat sie das oft zermürbende Geschehen im Amt hinter sich. Ein letzter Fall liegt allerdings auf ihrem Tisch. Die 5-jährige Hayley stand leicht bekleidet auf einer Straße, von Blut bespritzt. Das Blut stellt sich als nicht ihr eigenes heraus. Wenige Blocks von ihrem Fundort entfernt wird ein Haus mit drei Leichen zu einem Tatort erklärt. Doch niemand von den drei Personen ist mit Hayley blutsverwandt. Es beginnt ein Rätselraten und die Suche nach Verwandten.

Von dieser Beschreibung des Buches her sollte man meinen, dass es im Wesentlich in diesem Roman um eine spannende Hatz nach Tätern, Opfern und dem großen Geheimnis geht. In „Das namenlose Mädchen“ spielt das leider nur eine untergeordnete Rolle. Die Protagonistinnen sind Delia und Juniper, Schwestern und nach einem Brand vor 13 Jahren auch Vollwaisen. Wobei sich herausstellt, dass auch das Leben im elterlichen Haushalt vor dem Brand kein Zuckerschlecken war, da der Vater unter einer heftigen Schizophrenie litt. In dem Roman entfaltet sich ebendiese Geschichte. Juniper stellt mittlerweile Fragen zu dem Brand, Delia wird durch das Auftauchen ihres damaligen Freundes an die Ereignisse erinnert. Da wird die Suche nach Hayleys Mutter und der Wahrheit zur netten Nebensache. Und dafür ist mir persönlich die Kurzbeschreibung, auch die vom Verlag ausgegebene Version, zu ungenau.

Man lernt die beiden Schwestern kennen, kommt ihnen aber irgendwie dennoch nicht nahe. Sie sind seltsam distanziert, der Schreibstil lässt es kaum zu, dass man mit ihnen mitfühlt. Gefühle werden nebenher abgehandelt, auch schwierige Gespräche zwischen den Figuren haben wenig Tiefe. Dazu kommt, dass die Handlung manchmal gänzlich zum Erliegen kommt.

„Das unsichtbare Mädchen“ kann man lesen, der große Wurf ist es allerdings nicht. Auf Distanz bleibende Figuren treffen auf eine deutlich unspektakulärere Handlung als erwartet.

Jacqueline Sheehan: Das namenlose Mädchen.
Aufbau Verlag, Januar 2019.
416 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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