Jack Campbell: Ethan Stark 01: Ära des Aufruhrs

Die Menschheit hat die Ressourcen der Erde aufgebraucht. Die Menschheit – nein, eigentlich ist es mehr die einzig verbliebene Supermacht, die USA, deren scheinbar allmächtige Firmen bestimmen, wo es lang geht. Wenn irgendwo auf der Erde noch rare Ressourcen aufgefunden werden, setzt die Lobby das US Militär in Marsch, schwupps, wird die Insel oder Staat eingenommen, besetzt und ausgebeutet. Die Marines und die Army dürfen danach in ihre Kasernen zurückkehren und den kargen Lohn einstreichen. Die Vermögen, die aus den von ihnen gesicherten Bogenschätzen gewonnen werden, kassieren die CEOs.

Das sich die zweite und dritte Welt, sind wir ehrlich, eigentlich alle anderen Nationen der Erde da etwas haben einfallen lassen, ist klar. Sie haben ihre Kolonien auf dem Mond errichtet, treiben Stollen und Minen in den Boden von Luna und entwickeln in ihren Labors unter geringer Schwerkraft neue Verbundstoffe. Dass dies das Interesse der US Konzerne auf den Plan ruft war logisch, dass sie ihre Frauen und Männer fürs Grobe, nur notdürftig ausgerüstet, schließlich muss das Militär sparen, aussenden, die Lunaren Kolonien zu besetzten, auch.

Dies ist die Geschichte dieses Feldzugs den sie passenderweise Operation Offside genannt haben. Berichtet wird uns der Überfall aus Sicht des Sergeanten Ethan Stark. Man weiß, dass die Sergeanten das Rückgrad einer jeden Armee sind. Sie bringen ihren befehlshabenden Offizieren das Führen von Mannschaften erst bei, sie sorgen sich darum, dass die Verlustzahlen im überschaubaren Bereich bleiben. Dieses Mal aber ist er im Kampfgebiet mit seinen Kameraden nicht allein – das Militär hat einen zeitverzögerten Livestream an die Fernsehsender verkauft und finanziert das Unternehmen durch die Werbung. Wenn die Zuschauerquoten sinken, ist allerdings höchste Vorsicht geboten – denn dann beginnen die Offiziere sich besonders interessante Unternehmungen einfallen zu lassen – gemeinhin als Selbstmordkommandos überaus treffend tituliert …

Jack Campbell ist uns von seiner Saga um die „Verschollene Flotte“ ein Begriff. Hier hat er, anders als sein ebenfalls bei Bastei-Lübbe unter Vertrag stehender Kollege David Weber in qualitativ durchgängigen Romanen eine feste Anhängerschaft erschrieben. Wer Military SF schätzt, der wird an Jack Campbell schwerlich vorbei kommen. Allerdings darf auch ein solch erfahrener Autor einmal ein Projekt in den Sand setzen. So geschehen bei vorliegendem Auftaktband eine Trilogie. Was Jack Campell hier abliefert, ist ein mehr als lauer Aufguss bekannter Versatzstücke erfolgreicher Military-SF Titel. Das, was die „Verschollene Flotte“ eben gerade auszeichnete, eine glaubhafte Charakterentwicklung der Figuren, das ist hier schlicht nicht existent.

Ethan Stark wäre eigentlich eine faszinierende Persönlichkeit – wenn der Autor sich die Mühe gemacht hätte, ihn, seine Ecken und Kanten besser herauszuarbeiten. Geboren in einer Familie von Zivs (Zivilisten), also von außen ins Militär, das eine eigene Gesellschaftsschicht darstellt und weitgehend unter sich bleibt, gekommen wäre er mit seiner anderen Perspektive eigentlich prädestiniert, die Seilschaften, Automatismen und Korruption innerhalb des Militärs aufzuzeigen und aufzubrechen. Allein, er kümmert sich zwar liebevoll um seine Untergebenen, erzieht seine Vorgesetzten, aber so richtig packend wird der Roman nicht. Zu bekannt sind die Vorkommnisse, zu absehbar das Ergebnis.

Da wäre Bastei-Lübbe weit besser bedient gewesen, wenn sie die weiteren Abenteuer einer Kris Longknife von Mike Shepherd publiziert hätten, allein die Reihe wurde leider eingestellt.

Vorliegend also ein Roman, den man getrost vergessen kann, der die Zeit bis zum nächsten Teil der Verschollenen Flotte lang werden lässt.

Jack Campbell: Ethan Stark 01: Ära des Aufruhrs.
Bastei Lübbe, Juni 2018.
384 Seiten, Taschenbuch, 10,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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