Inger-Maria Mahlke: Archipel

Es ist nicht das erste Mal, dass mir eine Entscheidung der Jury für den Deutschen Buchpreis komisch vorkommt. Bei „Die Habenichtse“ von Katharina Hacker kam ich mir sogar richtig verarscht vor. Oder „Tannöd“ (A.-M. Schenkel), ich erinnere mich noch, deutscher Krimipreis. Lächerlich. Dann wieder gibt es Highlights und verdiente Ehrungen wie für „Widerfahrnis“ von Bodo Kirchhoff, ach ich weiß es doch auch nicht und vielleicht Geschmackssache!  Naja, aber jetzt frage ich mich schon wieder, was das soll? „Archipel“ ist zwar von der Inselbeschreibung her, also das was hinter der Tourismusschiene, sozusagen auf der Rückseite von Teneriffa, an wirklichem Leben und Elend geschieht und geschah, sehr nah dran, aber die Familiengeschichten, von der Gegenwart zurück bis ins frühe 20. Jahrhundert verfolgt, bleiben eine einzige Anstrengung.

Da nutzen auch die (zur Hilfestellung) aufgeführten Namenslisten der vorkommenden Personen nichts, denn das immer wieder Vorblättern hilft dann auch nicht, wenn man grad wieder jemand neues im Buch vorfindet – der vorne nicht genannt wird – und vergeblich nach irgendeiner Affinität sucht. Wir streifen die übliche Korruptionen, Schuldfragen und Beteiligungen an Faschismus und Diktatur zur Francozeit, aber auch dumpfer Niedergang per Alkohol und Einsamkeit unter brütender kanarischer Sonne. Sprachlich immer in der Gegenwart gehalten und sinnlich treffende Wortkaskaden zeugen von großem Talent. Aber es fesselt nicht, die Figuren bleiben einem gleichgültig! Und  – es kommt nicht oft vor – in der Mitte habe ich das Buch zugeklappt und seit dem nie wieder aufgeschlagen!

Inger-Maria Mahlke: Archipel.
Rowohlt, August 2018.
432 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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