Inge Löhnig: Scherbenparadies

Sandra ist 17 Jahre alt und kann das Leben nicht wie die anderen Mädchen in ihrem Alter in vollen Zügen genießen. Sie wahrt ein Geheimnis vor ihren Mitschülern und Mitschülerinnen, das ganz nebenbei auch noch dazu führt, dass sie mit ihnen kaum etwas unternehmen kann. Ihre Mutter ist alkoholabhängig und hat sie und ihre 6-jährige Schwester Vanessa bereits vor Wochen im Stich gelassen, um Zeit mit ihrem neuen Freund zu verbringen. Nur gelegentlich bringt die Mutter etwas Geld vorbei – viel zu wenig für die beiden Mädchen, um davon zu leben. Als Sandra einen großen Fehler macht, kommt eine Klassenkameradin hinter ihr Geheimnis …

Inge Löhnig verwebt in diesem Jugendroman für Mädchen ab 14 Jahren zwei Ideen miteinander und dadurch wird es fast ein bisschen zu viel des Guten. Zum einen sind da die beiden Mädchen, die auf sich gestellt sind und mit den geringsten finanziellen Mitteln überleben müssen. Das führt dazu, dass Vanessa öfter ohne Schulbrot in der Schule auftaucht und Sandra nicht nur Magenknurren hat, sondern auch rapide abnimmt. Solche Dinge müssen auf Dauer natürlich anderen Menschen auffallen, etwa den Lehrern. Und hier kommen wir zur zweiten Idee. Ein erstmal nicht namentlich benanntes Mädchen aus Sandras Klasse verliebt sich in den neuen Referendar Nils Joswig. Um ihm nahe zu sein, würde sie nicht nur sprichwörtlich über Leichen gehen. Und als sie Sandras Geheimnis aufdeckt, ist ihr das mehr als nützlich.

Der Roman ist locker-flockig geschrieben und wird im hinteren Teil auch sehr spannend. Alles in allem bleibt er aber das, was er sein will: Ein Jugendroman für die Zielgruppe, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Interessehalber kann man ihn auch als Erwachsener lesen, doch allzu viel sollte man sich davon nicht erwarten. Dennoch: Bei Jugendlichen, insbesondere Mädchen, kommt er gewiss gut an und ist aufgrund seiner Kürze sicher auch was für die etwas lesefauleren.

An sich hätte ein Erzählstrang gereicht, um das Buch zu einem guten werden zu lassen. Und das ist der von Sandra und ihrem „Geheimnis“, diese Geschichte ist nämlich wirklich gut gelungen. Diese Sache mit den Lehrer-Schüler-Beziehungen passte da irgendwie nicht zu.

Inge Löhnig: Scherbenparadies.
Arena, Januar 2018.
256 Seiten, Taschenbuch, 8,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.