Ilona Andrews: Stadt der Finsternis: Unheiliger Bund

In den letzten Jahren hat Kate Daniels viel erlebt – erleben müssen. Mit der unregelmäßigen Rückkehr der Magie in die bis dahin hochtechnisierte Welt kamen auch die übernatürlichen Wesen aus dem Untergrund – seitdem bevölkern Werwesen, Vampire und Zauberer die Städte und versuchen ihre Machtbasis zu verbreitern. Damit nicht genug, kehrten auch die Götter in die Welt zurück. Um Atlanta, Georgia, ihre Heimat zu schützen hat Kate sich die Stadt untertan gemacht – sehr zum Missfallen ihres mit gottähnlichen Kräften ausgestatteten, unsterblichen Vaters Roland.

Der Vater-Tochter-Konflikt spitzt sich zu – auch, weil Kate beschlossen hat, Nägel mit Köpfen zu machen – sprich, sie will den heiligen Bund der Ehe eingehen, ihr Bräutigam, der Werlöwe Curran ist seinem zukünftigem Schwiegervater ein Dorn im Auge. Eine Prophezeiung weissagt, dass der Krieg zwischen Tochter und Vater Atlanta brennen lassen wird und entweder Curran oder Kates noch ungeborenem Kind den Tod auf einer Blutlanze Rolands bringen wird. Als Roland den Hexer Saiman entführt, wird eine Grenze überschritten – trotz der Weissagung rüstet Kate zum Kampf gegen ihren verhassten Vater …

Der vorletzte Band der Saga um Kate, die Hüterin von Atlanta, liegt hinter mir. Wie viele der Urban Fantasies, die vor gut einem Dutzend Jahren die Regale der Buchhandlungen dominierten, war die Ausgangslage uniform. Die Magie und mit dieser die magischen Wesen kehrte in die Welt zurück, was zu Reibereien, Kämpfen und romantischen Verwerfungen führt. Soweit die übliche Situation. Etwas anders dann aber das, was uns das Autorenehepaar Andrews aus der Ausgangslage macht.

Da begegnet uns eine junge Frau, die ihre ganze Kindheit und Jugend hindurch im Kampf und Überleben ausgebildet wurde. Kein Wunder, dass sie traumatisiert ist, dass sie Zwangsneurosen hat und fast Jedem Misstraut. Zu Recht, wie sich in den folgenden Bänden erweisen soll. Doch, Kate findet auch Freunde, Helfer und Verbündete – und sie trifft auf Curran, der sich als ihre wahre Liebe erweist.

Was sich in der Grob-Zusammenfassung schwülstig und tränentriefend anhört, das las sich in der Vergangenheit, bedingt durch die packend beschriebenen Kämpfe, sehr stringent und flüssig. Natürlich erfinden auch Andrews das Rad nicht neu – soll heißen, ihre Kate wird ein ums andere Mal mit übermächtig erscheinenden Gegnern konfrontiert, kämpft als Underdog für ihre gerechte Sache und triumphiert, allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz letztlich. Dabei wird sie oft verletzt – sowohl äußerlich wie innerlich – rappelt sich aber immer wieder auf.

Gerade den Aspekt der inneren Entwicklung ihres Charakters haben die Autoren mustergültig hinbekommen. Der Leser kann diese Entwicklung nachvollziehen, kann sich in Kate hineinversetzen und sich ihre Motivation zu eigen machen.

Vorliegend, im vorletzten Band der Saga, wird der große Konflikt der Tochter gegen ihren despotischen Vater weiter ins Zentrum gerückt. Dabei bekommt der Leser Hinweise auf die Herkunft Rolands, auf die Familie, der Kate entstammt und deren Jahrtausende währenden Geschichte. Natürlich darf, allerdings sehr dosiert, ein wenig Romantik nicht fehlen, der Schwerpunkt liegt aber auf der Suche nach dem „wo komme ich her, wo will ich hin“ unserer Protagonistin.

Dass diese obsiegen wird, ist klar, das wie ist das Interessante. Hier halten die Andrews so einige Wendungen und Überraschungen für ihre Leser bereit, so dass sich auch dieser Roman wieder sehr flüssig und packend liest. Sicherlich keine große Literatur aber fesselnd allemal.

Ilona Andrews: Stadt der Finsternis 09: Unheiliger Bund.
Lyx-Verlag, Juni  2017.
416 Seiten, Taschenbuch, 12,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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