Ilka Piepgras: Schreibtisch mit Aussicht: Schriftstellerinnen über ihr Schreiben

Ilka Piepgras ist Autorin verschiedener Bücher und arbeitet momentan als Redakteurin im Zeitmagazin. Das Essay von Anne Tyler aus den Siebzigern „still just writing“ war der ausschlaggebende Impuls für sie, dieses Buch zu verfassen. Eingangs ergründet sie darin ob und wie sich die Bedingungen des Schreibens von Männern und Frauen unterscheiden. Dabei stellt sich heraus, dass schreibende Frauen mit mehr Problemen zur kämpfen haben und auch im Literaturbetrieb weniger wahrgenommen werden. Über Jahrhunderte hinweg war und ist der Literaturbetrieb eine Männerdomäne. Für Frauen waren keine Plattformen vorhanden und sie mussten reichlich Mut aufbringen, um mit ihrem Schreiben an die Öffentlichkeit zu gehen. Da Frauen in der Literaturgeschichte keine Tradition haben,   mussten sie sich ihre Anerkennung in der Kunst- und Kulturszene eben auch immer härter erkämpfen als Männer. Zwar ist es mittlerweile längst so, dass immer mehr Frauen Bücher veröffentlichen und auch die Leserschaft überwiegend weiblich ist,  – die Schreibbedingungen für Schriftstellerinnen haben sich jedoch nicht wesentlich geändert. Aus diesem Grund gibt Ilka Piepgras in diesem Buch den Schriftstellerinnen ein Podium.

Vierundzwanzig bedeutende Autorinnen, unter anderem Elena Ferrante, Siri Hustvedt, Elfriede Jelinek, Hilary Mantel, Eva Menasse oder Tereza Mora und viele weitere, geben darüber Auskunft, was es für sie bedeutet zu schreiben, wie sie ursprünglich dazu gekommen sind und wie sie arbeiten. So erfährt man von unterschiedlichsten Entstehungsprozessen literarischer Arbeit, von Routine und Ritualen beim Schreiben, von Glücksgefühlen ebenso wie von Versagensängsten, von Niederlagen, Enttäuschungen, Unsicherheiten, Panik, von Vorbildern, von Verzicht oder von der Einsamkeit die mit dem Schreiben einhergeht. Einmal mehr wird deutlich, dass Schreiben höchste Konzentration abverlangt und Kampf und Freude zugleich sein kann. Wie viel Arbeit allein hinter der Bildung eines guten Satzes stecken kann, ahnt wohl kaum jemand, während er/sie darüber liest.

Mit ihren jeweiligen Schaffensprozessen, die die erfolgreichen Schriftstellerinnen in diesem Buch aufzeigen, gewähren sie kurze aber teils sehr persönliche Einblicke in ihren Alltagsablauf. Ihre individuellen Darstellungen lesen sich erfrischend facettenreich und geben Erstaunliches preis.

Ilka Piepgras: Schreibtisch mit Aussicht: Schriftstellerinnen über ihr Schreiben.
Kein & Aber, November 2020.
288 Seiten, Gebundene Ausgabe, 23,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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