Ildyko von Kürthy: Hilde

Vor nunmehr einem Jahr ist Hilde bei den von Kürthys eingezogen. Ein kleiner weißer Mini-Golden-Doodle mit karamellfarbenen Schlappohren aus Castrop-Rauxel. Vor vielen Jahren als Kind hatte Ildykó von Kürthy schon einmal einen Hund, Impi, der nur ungefähr ein Jahr alt werden durfte, ehe er überfahren wurde. Seitdem ist sie da, die Sehnsucht nach dem Hund. Und mit beinahe fünfzig Jahren erfüllt sie sich diesen Wunsch. Impi und Hilde könnten kaum unterschiedlicher sein. Strotzte der eine vor Selbstbewusstsein, fürchtet sich die andere vor fast allem. In der modernen Stadtwelt hat sie aber auch so manches Mal allen Grund dafür. Von mobbenden Welpengruppen über im Park flanierende Hundehasser bis hin zu untermotivierten Hundetrainern muss sie durch alles durch. 

„Hilde“ ist eine Liebeserklärung an das neue Familienmitglied, aber es ist dabei ein ehrliches Buch. Ein Welpe, ein Hund, ist niedlich und ganz bestimmt eine Bereicherung des Lebens, aber es hat auch seine Schattenseiten. Sich mit dem Hund zu beschäftigen ist in den letzten Jahren nicht leichter geworden, seit sich verschiedene Fütterungs- und Erziehungsmethoden mit einer Vehemenz um den Markt streiten, als gäbe es irgendwas im Leben, das einfach klar ist. Seltsamerweise scheint jeder was davon zu verstehen und gibt seinen Senf dazu, was zusätzlich am Selbstbewusstsein und vor allem am Instinkt des neuen Hundebesitzers nagt. Ich weiß das. Wie kann man sich einbilden, das eigene Bauchgefühl wäre richtig, wenn doch an jeder Ecke ein Mensch steht, der es angeblich besser weiß und das auch lautstark verkündet. Die frischgebackene Hundemama muss ich mit Tut-Nixen ebenso rumschlagen wie mit mehr oder weniger funktionierender Funktionskleidung.

Trotzdem ist das kein seichtes Buch, bei weitem nicht. Das erste Kapitel handelt von dem Kind Ildykó und von Impi, dem kein langes Leben vergönnt war. Danach musste ich erstmal googeln, ob es Hilde noch gut geht, bevor ich weiterlesen konnte. Es handelt aber auch davon, dass Hunde durchaus als Arbeitstiere gehalten werden. Zwar gut behandelt, aber mit einem Job, den sie bitteschön zu erfüllen haben. Das ist wichtig, um den Übergang in die heutige Zeit zu verstehen, in der Hunde aus mannigfaltigen Gründen gehalten werden, was ihnen nicht immer guttut. Auch unter Hundehaltern macht sich die Egomanie unserer Zeit bemerkbar, auch hier gibt es ausgesprochen rücksichtslose Exemplare. Gratulieren kann man nur zu dem recht schnellen Bauchgefühl-Entschluss, dass Hilde vor umrempelnden Blödmännern auf vier Beinen mit Hormonüberschuss beschützt werden muss, obwohl der Trainer was anderes sagt. Ich habe für diese Erkenntnis deutlich länger gebraucht und bin im Nachhinein nur froh, dass mein Hund weise, souverän und groß genug war, als ich ihn bekam, so dass es da nie wirklich Schwierigkeiten gab.

Wir haben das Buch zu zweit gelesen, beim Zuhörer kam besonders die Stelle mit den Pansenbällchen auf Sylt gut an. Ich soll mal prüfen, ob wir da nicht auch mal hinfahren können.

Insgesamt ist „Hilde“ ein sehr ehrlich geschriebenes Buch, keine Anleitung, aber trotzdem ein Buch, aus dem man viel lernen kann. Dazu bringt es zum Lachen und Weinen und rührt immer wieder an. Hilde ist ein toller Hund und bei allem Beschreiben der negativen Seiten kommt das auch deutlich zum Ausdruck. Sehr angenehm fand ich, dass Ildykó von Kürthy sich nicht für eine „richtige“ Art und Weise der Ernährung oder des Trainings festgelegt hat und dementsprechend auch keine verteufelt. Meine Trainerin hat mal gesagt: „Es muss für alle Beteiligten passen“, ja stimmt und wenn das Ergebnis dann nicht allen gefällt, dann ist das eben so. Die Beteiligten müssen glücklich sein und niemand sonst.

Ildikó von Kürthy: Hilde.
Wunderlich, Dezember 2017.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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