Ian Rankin: Ein Haus voller Lügen

In meinem ganz persönlichen Krimiherbst 2019, in dem ich bisher die neuen Bücher von Jo Nesbø, Håkan Nesser und Jussi Adler-Olsen gelesen habe, macht der neue Krimi von Ian Rankin das Kleeblatt komplett. Der schottische Schriftsteller Ian Rankin (Jahrgang 1960) ist wie seine Kollegen ein sehr bekannter und ausgezeichneter Krimiautor. Seit den 1980er Jahren schreibt er über Detective Inspector John Rebus, der in der schottischen Hauptstadt Edinburgh ermittelt. Inzwischen ist Rebus im Ruhestand, mischt sich aber weiterhin in Fälle der Polizei ein. So auch in „Ein Haus voller Lügen“, das am 28. Oktober 2019 im Wilhelm Goldmann Verlag in einer Übersetzung von Conny Lösch erschienen ist.

Darin taucht die Leiche des Privatermittlers Stuart Bloom auf, der 2006 spurlos verschwand. Damals führte DCI Bill Rawlston die polizeilichen Untersuchungen und John Rebus arbeitete an dem Fall mit. Die Eltern von Stuart Bloom erhoben im Laufe der Ermittlungen schwere Vorwürfe gegen die Polizei, so dass auch der interne Anti-Corruption-Unit (ACU)  eingeschaltet wurde. Jetzt wird Stuart Bloom mit Handschellen gefesselt im Kofferraum seines Autos in einem Waldstück gefunden, das an das Haus seines damaligen Auftraggebers, des Filmproduzenten Jackie Ness, grenzt. Ness hatte Bloom den Auftrag erteilt, Sir Adrian Brand, mit dem er um ein Grundstück konkurrierte, auszuspionieren. Auch Blooms Lebenspartner, Derek Shankley, stand unter Verdacht mit dem Verschwinden seines Freundes zu tun zu haben, aber es ließ sich nicht beweisen. Pikanterweise arbeitete Shankleys Vater, Alex, bei der Mordkommission in  Glasgow.

Das Ermittlerteam um DCI Graham Sutherland, zu dem auch Rebus‘ Ex-Kollegin DI Siobhan Clarke gehört, muss sich durch Berge alten Aktenmaterials kämpfen und kommt kaum vorwärts. Clarke hat gerade interne Ermittlungen der ACU-Beamten Steele und Edwards hinter sich und erhält anonyme Anrufe, die sie ablenken. Sie weiht Rebus ein, den die Spur zu der Familie Meikle führt. Während sich Sutherland und Clarke mit den alten Zeugen beschäftigen, bekommt Malcolm Fox von seiner Chefin, ACC Jennifer Lyon, den Auftrag, die Akten aus 2006 zu sichten und darauf zu achten, dass bei den aktuellen Ermittlungen alles mit rechten Dingen zu geht. Und natürlich taucht auch der Name Morris Gerald Cafferty auf. Die Leiche von Stuart Bloom wirbelt sehr viel alten Staub auf und John Rebus steckt mittendrin. Am Ende greift Rebus zu illegalen Mitteln, um den Täter zu überführen.

Ian Rankin hat mit John Rebus eine Hauptfigur erfunden, der man als Krimi-Leser bzw. Leserin lange treu bleibt. Allerdings bleibt er in „Ein Haus voller Lügen“ unter seinen Möglichkeiten. Ein alter Fall, eine lange vermisste Leiche, jede Menge Verdächtige, aber ein langweiliger Plot. Hin und wieder habe ich mich während des Lesens beim Gähnen ertappt. Das ist mir bei Rankin bisher nicht passiert. Dem zehn Jahre zurück liegenden Verbrechen an dem Privatermittler Stuart Bloom fehlt die Kraft, um die über 500 Buchseiten zu füllen. Die Story ist zu dürftig. Und auch die alten Verstrickungen und Interessen von Polizei und Unterwelt haben zu wenig Biss und Schärfe. Rebus und sein Widersacher Cafferty scheinen zahnlos und altersmilde geworden zu sein. Ian Rankin erzählt die Suche nach dem Mörder von Stuart Bloom ohne Spannung und Energie. Da ist die Nebenhandlung um die Familie Meikle interessanter als das Hauptgeschehen und die Entlarvung des Täters. Wie es anders geht, hat Håkan Nesser gerade mit „Der Verein der Linkshänder“ vorgelegt. Vielleicht ist John Rebus nun wirklich im Ruhestand angekommen und sollte mit seinem Hund Brillo in „The Meadows“ spazieren gehen. Es wird Zeit für eine neue Hauptfigur: Siobhan Clarke ist so eine, Malcolm Fox eher nicht.

Ian Rankin: Ein Haus voller Lügen.
Goldmann, Oktober 2019.
512 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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