Ian McEwan: Maschinen wie ich

Eine Dystopie schafft der britische Top-Autor Ian McEwan in seinem neuen Roman „Maschinen wie ich“. Er tut so, als seien die ersten künstlichen Menschen bereits in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erfunden und zum Verkauf angeboten worden.

Charlie, der sich gerade in seine Nachbarin Miranda verliebt hat, kauft sich ein solches Exemplar – Adam heißt es passenderweise – und integriert es in seinen Haushalt. Adam lernt schnell, weil er auf sämtliches Wissen zugreifen kann, das in irgendwelchen Online-Datenbanken verfügbar ist. Von einem echten Menschen ist er bald nicht mehr zu unterscheiden. Schon bald hat er seinen Besitzer intellektuell und kräftemäßig überflügelt. Zu Problemen kommt es, als sich Adam ebenfalls in Miranda verliebt.

Ian McEwan, der 1948 geboren worden ist, packt sehr viel hinein in diesen Roman. Der Falkland-Krieg kommt genauso vor wie Margaret Thatcher, der Brexit sowie allerlei philosophische und literarische Anspielungen.

Die Kernfrage jedoch bleibt immer, ob ein Zusammenleben zwischen oft unlogisch handelnden Menschen und einer rein logisch denkenden Maschine überhaupt möglich ist. Ganz am Ende diskutieren einer der Schöpfer Adams und Charlie darüber, ob man einer solchen Maschine beibringen kann, in bestimmten Situationen zu lügen – wie es Menschen in aller Regel gleich mehrmals am Tag tun. Themen wie Moral, Schuld und Rache spielen eine große Rolle.

Bei aller stilistischen Brillanz, die auch dieser McEwan-Roman wieder verströmt, ist er womöglich doch gelegentlich etwas schwergängiger als frühere Werke. Ihm fehlt es an Leichtigkeit und Humor. Auch wirkt er mitunter überladen.

Es erschließt sich nicht immer, was genau McEwan mit seinen verschiedenen Ansätzen und Themen, die in seiner Dystopie vorkommen, überhaupt zum Ausdruck bringen will.

Ian McEwan: Maschinen wie ich.
Diogenes, Mai 2019.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 25,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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