Hera Lind: Die Frau, die zu sehr liebte

heraEinmal im Jahr schreibt Hera Lind einen Roman mit einer „wahren Geschichte, die das Leben schrieb“. Und diese Bücher sind inzwischen erfolgreicher als die anderen Romane der Bestseller-Autorin. Weil das, was die Heldinnen in den realen Geschichten erleben, so unglaublich ist.
Nach Afrika und in den Orient hat Hera Lind ihre Leser schon mitgenommen. In „Die Frau, die zu sehr liebte“ erzählt sie im Vergleich dazu eine recht gewöhnliche Liebesgeschichte. Arztfrau Linda verliebt sich an der Gartenhecke einer Freundin in deren gut aussehenden Nachbarn. Der schöne Frank trennt sich zwar von seiner Frau, entpuppt sich aber als Hallodri.
Frauen wie Linda, die alles aufgeben für einen Mann – sich selbst, ihren Beruf und ihre Würde – gibt es mehr als neue Romane. Linda ähnelt in vielem den Heldinnen von Hera Linds frühen Romanen, die Superweiber und Zauberfrauen waren und Karriere, Muttersein und Ehegattinnenleben mit links unter einen Hut bekamen. Nur ist Linda zu sehr Hausmütterchen, das ihren Kindern und denen von Frank in einer „Villa Kunterbunt“ ein gemütliches Nest bauen will, dabei aber vor Liebe blind für alles, was Frank ihr antut wird. Weil sie zu sehr liebt.
So eine Geschichte von Liebe, Trennung, Glück und Tränen hätte man kürzer als auf 400 Seiten erzählen können, obwohl Hera Lind eine unterhaltsame Erzählerin mit humorvollem Schreibstil ist.
Aber im letzten Viertel bekommt der Roman dann doch noch Tiefgang und wird zum Krimi, wenn ein Mord in Lindas Freundeskreis das Leben der Frau durcheinander und die Heldin wach rüttelt. Da stellt sich dann wieder das Staunen über das Unglaubliche, das einem Menschen passieren kann, ein. Und spannend ist das auch.

Hera Lind: Die Frau, die zu sehr liebte.
Diana, November 2015.
400 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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