Henry Beston: Das Haus am Rand der Welt (1928)

Henry Bestons Plan war ursprünglich, zwei Wochen auf der Halbinsel Cape Cod in Massachusetts zu verbringen. Doch aus zwei Wochen wird ein ganzes Jahr. Beston lebt in dieser Zeit in einem kleinen Holzhaus, das er Fo’castle nennt. Hier ist er mit sich und der Natur die meiste Zeit allein. Die einzigen Nachbarn sind die Männer der Küstenwache von Nauset, die etwa zwei Meilen entfernt stationiert sind.

Beston hält seine täglichen Naturbeobachtungen schriftlich fest. Als Leser staunt man von Seite zu Seite, wie vielfältig er die Veränderungen von Geologie, Tönen, Farben, Stimmungen wahrnimmt und dies alles in einer schönen, treffenden Sprache beschreibt.

So erfährt man zum Beispiel, in welcher Weise, welcher Gestalt und mit welchen Geräuschen der Ozean auf den Strand trifft, und dass am Strand bei Nacht eine ganz besondere Stimmung mit ganz eigenen Tönen und Klängen herrscht. Beston beschreibt hier ein trockenes Zischeln eines sich endlos fortbewegenden Sandes und ein rhythmisches Auflaufen der Wellen so detailgetreu, dass man sich mitten in dieses Geschehen hineinversetzt fühlt.

Ob die Jahreszeiten, Sturm, Effekt der Winde, Sternbilder, das Kommen und Gehen des Meeres, Vogelbeobachtungen – alles wird ein besonderes Geschehen.

Erstaunlich liest sich, dass Henry Beston bereits 1920 den Gestank in den Städten beklagt und den Duft von Flieder oder Salzgras auf Cape Cod hervorhebt.

Das Jahr in Fo’castle in der freien Natur bezeichnet Beston als Vollzug eines großartigen Rituals bei dem er jeden Moment in vollen Zügen genossen haben will. Das Leben in der Natur schärft die Sinne und das Alleinsein fördert ihre Wachsamkeit.

Henry Beston: Das Haus am Rand der Welt (1928).
Mare Verlag, September 2018.
224 Seiten, Gebundene Ausgabe, 32,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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