Helwig Brunner: Gummibärchenkampagne

Wer viel in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist oder in Wartezimmern oder Ämtern längere Wartezeiten zubringen muss, wird dieses Buch mögen. Helwig Brunner unterhält die Leserin mit Minutennovellen. Diese sind wunderbar geeignet, jede Wartezeit amüsant zu verkürzen.

Unterteilt in die Kategorien Eigenbrötler, Paare, Schreibende, Lesende und Herden präsentiert der Autor fein pointierte, scharfzüngige, aber nie verletzende „Erzähldestillate“. Er führt uns, immer mit einem Augenzwinkern, unsere eigenen Absonderlichkeiten, Manierismen und alltäglichen Absurditäten vor Augen.

Wenn er von der Frau erzählt, die unbedingt eine zyklamfarbene Handtasche erwerben muss, die ihr nach einer Weile gar nicht mehr gefällt und die sie daher in den Sammelcontaier gibt, erkennen wir (Frauen) uns darin nicht alle wieder? Wenn jemand seine Brille nicht findet, weil er ohne Brille nicht genug sieht, ist das zwar sicher kein neuer Witz, aber wenn es so leichtfüßig erzählt wird, macht es einfach Spaß, davon zu lesen.

In der titelgebenden Anekdote „Gummibärchenkampagne“ erfahren wir so beispielsweise von dem Protagonisten, der im Präsidentenwahlkampf Parteienwerbung vor seiner Tür findet, zusammen mit einem Tütchen Gummibärchen. Diese verleiten ihn zu kreativen Höhenflügen beim Verfassen einer passenden Werbekampagne.

Helwig Brunner ist ein guter Beobachter, der ohne Schadenfreude mit spitzem Stift und hintergründigem Humor unser tägliches Leben und Handeln aufs Korn nimmt. Hier kann sich jede*r wiederfinden, hier kann jede*r jemanden wiedererkennen. Natürlich ist das alles nicht neu und natürlich wirkt die zehnte Pointe nicht mehr so gut wie die erste. Aber dafür handelt es sich ja um Minutennovellen, die man am Besten in kleinen homöopathischen Dosen einnimmt.

Helwig Brunner: Gummibärchenkampagne: Minutennovellen.
Droschl, Februar 2020.
144 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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