Helen Simpson: Nächste Station

„Nächste Station“ ist ein Buch mit neun Erzählungen, die das mittlere Alter und das Älterwerden thematisieren.

In der ersten Geschichte fahren die langjährigen Freundinnen Julie und Philippa einer neuen, in der U-Bahn vergessenen Gleitsichtbrille hinterher. Bis zur Endstation Cockfosters dreht sich ihre Unterhaltung außer um diese neue Brille um die Loslösung von den Kindern, einstige Mitschülerinnen, Kindheitserinnerungen, alte Eltern die in Zukunft Hilfe brauchen würden…

Die nächste Erzählung „Torremolinos“ beschreibt zwei Patienten auf einer Krankenstation. Der eine hat einen Dreifachbypass und soll nun dem anderen, der direkt aus der Vollzugsanstalt kommt, beschreiben, wie sich ein Herzinfarkt anfühlt. Der Inhaftierte will sich die Symptome zu eigen machen, um länger auf der Krankenstation verweilen zu können…

Danach es geht um einen Mann, der sich von seiner Frau unverstanden fühlt. Er wacht des Nachts auf und grübelt stundenlang über Doppelkinn und Hängebäckchen, über Macht und Diskriminierung. Am nächsten Morgen ist zumindest klar, dass sich nichts am ewigen Geschlechterkampf ändern wird. „Es war eben so, wie es war. Ganz naturgemäß. S. 29

Oder es geht um drei Frauen eines Literaturzirkels, die sich über das bevorstehende Weihnachtsfest austauschen. Über Dicken’s „Weihnachtsgeschichte“ zu reden, wollen sie umgehen, weshalb sie „die Silvesterglocken“ ausgewählt haben. Nur zwei von ihnen hatten aber Zeit, das Buch zu lesen. Überhaupt schweifen sie immer wieder ab ins Alltagsgeschehen bis hin zu Diskussionen über politische Systeme, die globale Finanzmarktregulierung und Klimaschutz.

Eine andere Erzählung handelt von einer Mutter, die einen Geburtstagskuchen für ihre erwachsene Tochter backt und dabei ihre Gedanken von deren Kindheit bis zum Jetzt kreisen lässt. Ihr Gedankenmonolog ist beendet, als der Kuchen fertig gebacken ist.

Ferner liest man eine Story von einem russischen Servicetechniker und seiner Auftraggeberin, die ihre soeben überstandene Knieoperation reflektiert, oder es geht um Akupunktur und am Ende über eine Reise nach Berlin und dem zähen Besuch einer Wagneroper.

Helen Simpson beschreibt in diesen Stories profane Fakten, die uns bekannt vorkommen. Es lassen sich viele Parallelen finden. Begleiterscheinungen des Alters sind mit profillosen Figuren verknüpft, deren Konversationen wenig Überraschendes aufzeigen.

Helen Simpson: Nächste Station.
Kein & Aber, März 2018.
208 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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