Helen Jukes: Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen

Helen Jukes (Jahrgang 1984) lebt in Wales und engagiert sich für den Schutz von Bienen. Sie ist Mitbegründerin des Bee Friendly Trusts. „Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen“ ist ihr erstes Buch und wurde am 8. Oktober 2018 beim DUMONT Buchverlag in einer Übersetzung von Sofia Blind veröffentlicht. Helen Jukes erzählt darin über einen Zeitraum von einem Jahr, wie sie die Zeit von der Idee, sich ein Bienenvolk in ihrem Reihenhausgarten in Oxford zu halten, bis zur ersten Honigernte Monate später erlebte.

Ihre Geschichte beginnt im November bei einem Gang durch den Garten voller Unkraut. Jukes ist vor ein paar Monaten wegen eines Jobs nach Oxford gekommen. Zusammen mit einer Freundin hat sie das Haus gemietet. Erste Erfahrungen mit Bienen hat sie allerdings schon Jahre zuvor in London gesammelt. Dort hatte sie Luke, einen Imker, kennengelernt und ihn einige Zeit begleitet. Unzufrieden mit ihrem Job in Oxford beschäftigt sie sich intensiv mit der Haltung eines Bienenvolkes und dem Bau eines Bienenstockes. Schließlich schenken ihr Freunde ein Honigbienenvolk zu Weihnachten, das sie im Frühjahr bei einem Imker abholen kann. Damit beginnen für Helen Jukes die akribischen Vorbereitungen auf die Ankunft der Bienen. Sie liest Unmengen an wissenschaftlichen und historischen Büchern über die Haltung von Bienen durch den Menschen, sie beschäftigt sich mit dem Bau von Bienenstöcken und der artgerechten Haltung von Bienen. Dadurch entstehen für Jukes wie nebenher viele zwischenmenschliche Kontakte. Ihre Freunde interessieren sich für ihre Idee und unterstützen sie. Als sie die Bienen abholen kann, ist sie perfekt vorbereitet. Das Leben im Bienenstock gestaltet sich zunächst schwierig, aber letztendlich entwickelt sich das Bienenvolk prächtig. Helen Jukes kann am Ende ihres ersten Bienen- Sommers Honig ernten, den sie an ihre Freunde und Unterstützer verteilt.

Und aus einer eher zufälligen Einladung bei einem Housekeeping für Freunde wird für Helen Jukes der Beginn einer Liebesbeziehung.

Helen Jukes‘ „Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen“ trifft den Nerv der Zeit. Klimawandel, Artensterben und Naturkatastrophen lenken den Blick auf die menschengemachte Zerstörung der Umwelt. Und plötzlich besinnen sich z.B. Politiker darauf, insektenfreundliches Straßengrün und Bäume zu fordern,  und z.B. Landwirte darauf,  ihre Äcker und Felder wieder mit Hecken und Insektenweiden einzufrieden, als wäre darauf nicht schon seit Jahrzehnten von Wissenschaftlern und Umweltschützern hingewiesen worden. Der Markt der Sachbücher über Bäume, Wälder und das Leben in und mit der Natur boomt. Und trotzdem oder gerade deswegen ist das Buch von Helen Jukes eine Leseempfehlung wert.

Sie versteht es, die eher trockenen wissenschaftlichen und historischen Informationen zu der Entwicklung der Haltung von Honigbienen so zu erzählen, dass sie mich als Lesende interessieren und dass ich mit Spannung verfolge, wie es Jukes gelingt, die Bienen in ihrem Garten heimisch zu machen. Da ist keine naive Umweltretterin am Werk, sondern jemand, der sich fachmännisch und genau, auf die artgerechte Haltung von Bienen vorbereitet und sehr verantwortungsbewusst mit dem Bienenvolk umgeht.

Sie unterlässt jede oberlehrerhafte Doziererei. Ihre Sprache ist jung und modern. Sie bettet ihr „Jahr, in dem sie Imkerin wurde“ in ihr berufliches und soziales Leben ein. Helen Jukes zeigt mit ihrer Geschichte, dass es für den Einzelnen mitten in der Stadt möglich ist, einen umweltfreundlichen Beitrag zu leisten.

Und sie findet im Imkern einen Anker, den sie in ihrem bisherigen Leben vermisst hat. So ist Helen Jukes neben den vielen, nützlichen und hilfreichen Informationen zum Umgang mit Honigbienen ein berührendes und lesenswertes Buch geglückt.

Helen Jukes: Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen: Über das Jahr, in dem ich Imkerin wurde.
DuMont Buchverlag, Oktober 2018.
304 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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