Harry Bingham: Fiona: Das tiefste Grab

Dear Mr. Bingham,

in Ihrem Nachwort schreiben Sie von Ihrer Gewohnheit, alle Rezensionen zu lesen, weil diese Ihren Lesern zugutekommen. Vielleicht schenkt Ihnen das eine oder andere Feedback aber auch Anregungen. Für mich ist die Verschmelzung der Erzählstile Ihrer Favoriten Sir Arthur Conan Doyle mit seinen vertrackten Rätseln und Raymond Chandler mit seinem moralisch denkenden Ermittler deutlich erkennbar. In den klärenden Gesprächen/Verhören à la Doyle zeigt sich, dass immer wieder neue Aspekte hervortreten. Die komplette Geschichte könnte man mit einem Bilderstapel vergleichen, der allmählich – Schicht für Schicht freigelegt, neue Hintergründe für das gleiche Motiv offenbaren und damit eine tiefer gehende Deutung erlauben. Der eilige Leser wird vermutlich diese kostbaren Details überlesen, so dass Andeutungen und Wortspielereien möglicherweise verloren gehen.

Mir bereitet es immer wieder eine große Freude, wenn Ihre kluge Kunstfigur Fiona mit den Mächtigen und Stärkeren ringt. Eine zierliche, durch eine Erkrankung gehandikapte Frau schlägt mit enormen Fleiß und Mut da hin, wo es den im Verborgenen agierenden Herren richtig weh tut. In Ihren Kriminalromanen gibt es nie ’normale‘ Morde, bei denen der Täter im nahen Umfeld des Opfers zu suchen ist. Ihre Opfer sind quasi Kollateralschäden im organisierten Verbrechen. Und während Fiona auf eigene Faust ermittelt, lernt sie die Feinheiten einer bestimmten verbrecherischen Geschäftspraktik kennen. Auf diese Weise erfährt auch der Leser einiges über die aktuellen Geschäftsmethoden der modernen, mordenden Raubritter. Versöhnlich gestimmt, manchmal auch nicht, endet viel zu schnell die charmant erzählte, vergnügliche und kurzweilige Lektüre dank Ihrer Übersetzer Andrea O’Brien und Kristof Kurz.

453 Tage musste Fiona auf das nächste Mordopfer warten, bis sie wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen durfte, der Jagd nach den großen Verbrechern. Denn die kleinen bieten zu wenig Satisfaktion, wenn sie am Haken der Ermittlerin hängen. Im wirklichen Leben sieht es leider anders aus. Vielleicht gehen die Fionas in der realen Welt im selten sauberen Mediengewitter verloren.

Best regards               Sabine Bovenkerk-Müller

Harry Bingham: Fiona: Das tiefste Grab.
rororo, September 2019.
544 Seiten, Taschenbuch, 10,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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