Harriet Walker: Die Neue

Margot ist erfolgreich. Sehr erfolgreich, sie arbeitet bei einer Modezeitschrift und ist da sehr hoch aufgestiegen. Jetzt ist sie schwanger und braucht eine Schwangerschaftsvertretung. Ohnehin keine ganz leichte Aufgabe, denn auf der einen Seite soll die Neue den Job gut machen, auf der anderen Seite aber nicht so gut, dass sie in Zukunft eine ernstzunehmende Konkurrenz für Margot wäre oder sie gar ganz ersetzen könnte. Margot findet Maggie, leichtes Übergewicht, der eigene Stil nicht ganz so teuer wie Margots, aber eine erfahrene Journalistin, die bereit ist, sich der Aufgabe zu stellen. Maggie scheint perfekt.

Aber in den Wochen der Einarbeitung kommen Margot Zweifel. Ist Maggie nicht doch zu perfekt? Wieso schafft sie es so leicht, Team und Chefin für sich einzunehmen? Nach einigen Wochen in der Welt der Mode ist auch Maggies Stil deutlich eleganter und teurer geworden. Dann kommt Margots Baby zur Welt und die einstmals erfolgreiche Frau ist völlig in ihre eigene Welt zurückgeworfen. Alleine mit ihren Gedanken und Ängsten und alleingelassen von der Frau, die sich ihre beste Freundin nannte. Denn Winnie war kurz vor Margot schwanger geworden, die beiden Frauen hatten viele Pläne, wie sie viel gemeinsame Babyzeit verbringen wollten. Aber Winnies Baby hat die ersten Wochen nicht überlebt und Winnie sich (wieder einmal) völlig zurückgezogen.

Allein in ihrer Gedankenwelt steigert die ohnehin von dauerhaften Schuldgefühlen geplagte Margot sich mehr und mehr in die Vorstellung hinein, Maggie würde ihr alles im Leben wegnehmen wollen. Das Problem ist nur, dass jeder außer Margot Maggie sehr nett findet. Kann sie sich wirklich so täuschen in der Frau?

„Die Neue“ ist durchweg spannend, unter anderem auch deswegen, weil vieles sehr lange im Dunkeln bleibt. Worin besteht denn Margots großes Verbrechen, dass Winnie angeblich seit ihrer gemeinsamen Jugend deckt? Obwohl Manches auch aus Maggies Sicht beschrieben wird, gelingt es der Autorin dennoch, auch den Leser an ihr zweifeln zu lassen. Einzig echte Einblicke in die Modewelt gibt es in diesem Roman kaum oder wenn, dann habe ich sie nicht gefunden. Der Vergleich mit „Der Teufel trägt Prada“ würde also in jeder Hinsicht hinken. Das will der Roman aber auch, glaube ich, gar nicht, er spielt eher zufällig in der Welt der Modezeitschriften.

Fazit: Spannender Psychothriller, der seine Spannung beinahe allein aus der Margots Gedankengebilden zieht. Die Auflösung kam mir ein bisschen zu sehr aus dem Nichts, der Täter ein bisschen zu plötzlich aus dem Hut gezaubert und überhaupt überraschend, dass es überhaupt einen Täter geben muss. Insgesamt hat mir das Buch aber gut gefallen.

Harriet Walker: Die Neue.
Aus dem Englischen übersetzt von Violeta Topalova.
dtv, März 2021.
384 Seiten, Taschenbuch, 14,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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