Harald Welzer: Wir sind die Mehrheit

„Wir leben in einer Welt der Ungewissheit. Niemand weiß genau, was wahr und was gut ist. Darum müssen wir immer neue und bessere Antworten suchen. Das geht aber nur, wenn Versuch und Irrtum erlaubt sind, ja, ermutigt werden, also in einer offenen Gesellschaft.“ (Seite 28)

In seinem neuen Buch tritt Harald Welzer vehement für die offene Gesellschaft ein. Er geht dabei auf zahlreiche aktuelle Probleme ein, wie etwa die Flüchtlingsproblematik, das Agieren der Medien, den Neoliberalismus und das Funktionieren unseres politischen Systems. Genau genommen handelt es sich um eine schnelle und leichte Lektüre. Schnell, weil das Buch mit seinen 128 Seiten gut an einem Tag zu lesen ist. Leicht, nicht etwa des Inhaltes wegen, denn der hat es in sich, sondern weil Welzer es versteht, sich klar auszudrücken und ohne großes Herumgerede auf den Punkt zu kommen. Man kann seinen Gedankengänge jederzeit gut folgen und fühlt sich durchaus zum Handeln motiviert. Die Lektüre des Buches ist leicht, aber eine leichte Lektüre ist das Buch seines Inhaltes wegen gewiss nicht.

„Wir sind die Mehrheit“ reiht sich in die in letzter Zeit vermehrt auf dem Buchmarkt auftauchenden Streitschriften ein und fordert den Leser nicht nur dazu heraus, selbst zu denken (wie der Titel eines anderen, sehr empfehlenswerten Buches des Autors), sondern auch aktiv zu werden. Ein Werk, das in unserer von starken Veränderungen geprägten Zeit, klare Aussagen macht und dem Leser in gewisser Weise ‚den Kopf geraderückt‘. Denn Welzer bringt es letztlich auf den Punkt: Wir dürfen uns unsere im Grundgesetz verbürgte offene Gesellschaft nicht kaputt machen lassen, weil wir glauben, auch gegenüber eben diese Gesellschaft angreifenden Strömungen tolerant sein zu müssen.

Er fasst seine Erkenntnisse am Ende eines jeden Kapitels kurz und griffig in Regeln zusammen, deren erste ich hier zitieren möchte, da sie sehr schön verdeutlicht worum es Welzer mit seinem Buch geht: „Es ist einfacher, für die Demokratie zu kämpfen, solang es sie noch gibt. Danach wird es erheblich schwieriger.“

Harald Welzer: Wir sind die Mehrheit.
Fischer, März 2017.
128 Seiten, Taschenbuch, 8,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Christian Rautmann.

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