Hanna Kuhlmann: Nacht der Diebe

Das Leben, das Überleben in den Elendsvierteln der Stadt ist nicht einfach – zumal, wenn man wie der junge Shivari über wenig magisches Talent verfügt. Dennoch, oder gerade deshalb versucht Shivari es verzweifelt, von einer der Diebesgilden der Stadt aufgenommen zu werden. Dann geht, ausgerechnet bei seiner entscheidenden Prüfung als Dieb wirklich alles schief. Zwar gelingt es ihm, die magischen Schutzrunen auszuschalten und in das Gebäude einzudringen, dort aber wartet bereits ein dunkler Schatten mit einem scharfen Schwert auf ihn.

Zwar gelingt ihm die Flucht, doch er wurde schwer verwundet. Endlich, eigentlich wohl das erste Mal in seinem Leben, hat der Junge Glück. Ein Fremder hilft ihn, flickt ihn zusammen und päppelt ihn auf. Dass dieser ihm zunächst unbemerkt, weit mehr vermacht, als nur ein Bett und eine Heilung, wird erst später deutlich. Der Gott des Wassers höchstselbst sucht einen Nachfolger – und scheint in dem jungen Dieb fündig geworden zu sein. Mit seinen neuen Gaben, der nie verlöschenden Magie und der Zeit, die er spart, weil er nicht mehr schlafen muss, geht Shivari seinen Plan, ein erfolgreicher Dieb zu werden, erneut an.

Es gelingt ihm vom Stadtfürsten einen magischen Ring zu stehlen und in die Gilde aufgenommen zu werden. Ein Rivale macht ihm den Platz als erfolgreichster Dieb streitig – der vor Verantwortung geflohene Sohn eines Hochfürsten. Vereint würden sie unschlagbar sein – doch dann schlagen die Ordnungsmacht und ein Konkurrent zu – und das just, als sein Geheimnis aufgedeckt zu werden droht …

Vorliegender Roman wurde 2016 im Rahmen der Leipziger Buchmesse mit dem Indie Autor Preis ausgezeichnet.

Und dies wahrlich nicht zuunrecht. Die Autorin macht mit ihrer Handlung alles richtig. Es gibt auf Erden wandelnde Götter, die sich direkt in die Geschicke der Menschen einmischen, dazu gesellen sich Magie, Diebesgilden, finstere Verbrecher und aufrechte Helden. Ein wenig Familienzwist darf auch nicht fehlen, für Dramatik ist mehr als gesorgt. Das liest sich jetzt vielleicht ein wenig negativ, ist aber nicht so gemeint. Der Plot selbst ist stringent gestaltet, läuft in sich folgerichtig ab und verwöhnt den Leser mit nicht vorhersehbaren Wendungen. Die Figuren sind greifbare, überzeugende Menschen, einzig die Zeichnung des Handlungsortes könnte ein wenig detailreicher ausfallen.

Das groß erzählte Abenteuer fesselt den Leser an die Seiten, unterhält packend und liefert ein fulminantes Finale – ein Debut, das Appetit auf mehr macht.

Hanna Kuhlmann: Nacht der Diebe.
Knaur, März 2018.
368 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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