Håkan Nesser: Der Verein der Linkshänder

Der Schwede Håkan Nesser (Jahrgang 1950) schreibt Krimis, Psychothriller und Romane. Er zählt zu den bekannten und berühmten Schriftstellern Skandinaviens. In Deutschland kennt und schätzt man vor allem seine Krimis um die Kommissare Van Veeteren und Barbarotti. Und in seinem neuesten Buch „Der Verein der Linkshänder“ lässt Nesser die beiden Ermittler aufeinander treffen. Der Krimi ist am 23. September 2019 in einer Übersetzung von Paul Berf bei btb erschienen.

„Der Verein der Linkshänder“ spielt auf drei Zeitebenen (Ende der 1950er bis Ende der 1960er Jahre, 1991 und 2012) und lässt den inzwischen pensionierten Kommissar Van Veeteren in einem alten Mordfall mit vier Opfern ermitteln, der durch das aktuelle Auftauchen einer fünften Leiche in einem anderen Licht erscheint. Diese Leiche kann nicht der Mörder gewesen sein, d. h. der Mörder befindet sich noch immer auf freiem Fuß. Das kratzt mächtig an Van Veeterens Ermittlerkompetenz, hatte er doch damals den Fall als gelöst zu den Akten gelegt. Inzwischen betreibt Van Veeteren eine Buchhandlung und steht kurz vor seinem 75. Geburtstag. Er begibt sich mit seiner Frau Ulrike Fremdli, statt zu feiern, nach Oosterby, dem Ort des damaligen Verbrechens. 1991 wurden dort in einer Pension drei Männer und eine Frau ermordet, die Pension brannte ab. Van Veeteren und sein Kollege Münster hielten damals den vierten Mann, der flüchtig war, für den Täter. Nach und nach kommen diverse Ermittlungsfehler an den Tag. Dann geschieht ein weiterer Mord, der Kommissar Gunnar Barbarotti und seine Kollegin Eva Backman auf den Plan ruft. Nur langsam entdecken die Ermittler die Zusammenhänge zwischen den Morden. Dabei spielen „Der Verein der Linkshänder“ und eine Entführung aus den 1960er Jahren in Oosterby eine entscheidende Rolle. Ein siebtes Vereinsmitglied kann möglicherweise zur Aufklärung beitragen, schwebt aber gleichzeitig selbst in Lebensgefahr. Van Veeteren und Barbarotti tappen lange im Dunkeln, bevor sie den entscheidenden Tipp bekommen und die tatsächlichen Ereignisse aufdecken können.

„Der Verein der Linkshänder“ ist ein guter, spannender Krimi. Aber nicht nur das: Håkan Nesser gibt seinem Protagonisten Van Veeteren viel Raum zum Philosophieren über das Leben, das Alter und das Verbrechen. Die Dialoge zwischen Van Veeteren und seiner Frau Ulrike oder seinem Schachpartner Mahler sind voller Witz, Weisheit und Ironie. Seine Kommissare Van Veeteren und Barbarotti sind zwar vom Leben und der Arbeit gezeichnete, aber nicht gestörte Protagonisten mit Suchtproblemen oder anderen psychischen bzw. sozialen Macken mit zumeist unglücklichen Privatleben. Das ist angenehm anders als die sonstige, allgemeine Krimihatz kaputter Kommissare auf immer neue Serientäter, die um der Spannung willen immer brutaler, grausamer und perfider zu werden scheinen. Nesser erzählt langsam, beinahe betulich, jedoch auf keiner Seite langweilig. Er breitet die Geschichte auf den verschiedenen Zeitebenen aus und bringt nur stückchenweise Erkenntnisse ein, die seine Ermittler und auch mich als Lesende weiter bringen. Dafür fällt der Groschen dann bei mir auch eher spät. Erfolgreich hat Håkan Nesser mich und seine Kommissare vom wahren Täter oder der wahren Täterin abgelenkt.

„Der Verein der Linkshänder“ von Håkan Nesser überzeugt durch starke Charaktere, gradlinige Sprache, gute Dialoge und einen stimmigen Plot. Absolut lesenswert!

Håkan Nesser: Der Verein der Linkshänder.
btb, September 2019.
608 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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