Günter Grass: Vonne Endlichkait

grassDas ist es also. Das leider letzte Buch von Günter Grass. Mit 96 Gedichten und Geschichten vom Dreizeiler bis zur Kurzgeschichte, und 64 Zeichnungen verabschiedet sich der Literaturnobelpreisträger von seinen Lesern. Sein Buch „Vonne Endlichkait“ ist ein Geschenk.
Schon 2006 hat Grass, damals 79 Jahre alt, begonnen, sein Leben zusammenzufassen und alle Geheimnisse, auch seine Mitgliedschaft bei der Waffen-SS, zu lüften. Drei Biografien und ein Künstlerbuch sind daraus geworden.
„Vonne Endlichkait“ ist sein persönlichstes Buch. Da hat er bis kurz vor seinem Tod, am 13. April 2015, geschrieben, wie sehr er seine Schriftsteller-Kollegen vermisst, dass nur noch ein echter Zahn in seinem Mund die Zeit überdauert hat und wie er sich mit seiner Frau Särge zimmern ließ und sogar darin probegelegen hat. Für Ute Grunert einen aus Kiefernholz, für Günter Grass einen aus Birke. Mit vier Griffen an jeder Seite, für jedes Kind einen. Auf Laub gebettet und von Laub bedeckt wollten beide ruhen.
Nachrufe auf ein Künstlerleben sind die kurzen Texte in dem sehr schön aufgemachten Buch. Und ein Abschied von geliebten Dingen wie einer alten Olivetti-Schreibmaschine und Gewohnheiten. „Wie lange noch?“ fragt Grass, als „des Pfeifenrauchers Herz, Lunge, Nieren ihn immer und nochmals in die Reparaturwerkstatt zwangen“. Federleicht klingen auch diese so ernsten Verse, weil sie in so viel vom typisch derben Grass-Humor getränkt sind.
Und bis zuletzt mischt sich der immer streitlustige Autor ein, verteilt literarische Spitzen an „Mutti“, die Merkel, der alle gütig ergeben sind, und beschreibt das „Licht am Ende des Tunnels“ in der Griechenland-Krise. – Wach und bissig, so, wie man Grass immer kannte.
In den letzten sechs Texten zieht er dann den Schlussstrich. „Irgendwer, der es gut meint, rät mir, den Schlussstrich zu ziehen, solange die Hand noch nicht zittert“, schreibt er, zieht Bilanz mit Büchern „in Reihe eng gestellt, auf deren Rücken, Name, Titel meine Ausweise sind“.
Das letzte Gedicht, „Vonne Endlichkait“ ist eine Gedankenreise in ostpreußischer Sprache zurück in die Kindheit in Danzig: „Nu hat sech jenuch jehabt.“

Günter Grass: Vonne Endlichkait.
Steidl, August 2015.
184 Seiten, Gebundene Ausgabe, 28,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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