Guadalupe Nettel: Nach dem Winter

Mit „Nach dem Winter“ stellt der Blessing-Verlag dem deutschen Lesepublikum erstmals die Übersetzung eines Romans der in Mexiko bereits sehr erfolgreichen Schriftstellerin Guadalupe Nettel vor.

Die 1973 geborene Autorin erzählt ihre Geschichte abwechselnd aus der Sicht zweier sehr unterschiedlicher Protagonisten. Da ist zunächst der egoistische Machtmensch Claudio, der in New York sein Leben nach strengen Ritualen lebt. Er hat eine 15 Jahre ältere Geliebte – Ruth –, mit der er sich ausschließlich aus sexuellen Gründen trifft.

Und da ist Cecilia, eine zurückgezogene und labile Studentin in Paris. Sie verliebt sich in ihren kränklichen und ebenso zurückgezogenen Nachbarn Tom, weil sich beide für Friedhöfe interessieren. Irgendwann bei einem Abstecher Claudios nach Paris treffen sich die beiden Hauptfiguren und haben eine kurze Affäre miteinander.

Der Roman besteht aus vielen einfühlsamen und gut nachvollziehbaren Sequenzen, hat aber zwei Grundprobleme: Erstens ist die männliche Hauptfigur extrem unsympathisch, und man fragt sich unwillkürlich, warum sich Cecilia zwischenzeitlich auf ihn einlässt und warum man als Leser mit einem solchen Menschen seine Zeit verbringen soll.

Zweitens stehen zum Ende hin die Themen Sterben, Tod und Trauer sehr lange im Mittelpunkt, was dem Buch insgesamt eine recht düstere Note verpasst. Letztlich bleibt man nach der Lektüre etwas ratlos zurück – frei nach dem Motto: „Was wollte uns die Autorin damit sagen?“

Guadalupe Nettel: Nach dem Winter.
Blessing Verlag, März 2018.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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