Graham Swift: Einen Elefanten basteln: Vom Leben im Schreiben

Der britische Schriftsteller und Man Booker Prize Träger von 1996 Graham Swift (Jahrgang 1949) schreibt in „Einen Elefanten basteln“ über sich und seinen Werdegang zum Schriftsteller. Das Buch erschien am 18. April 2019 bei dtv in einer Übersetzung von Susanne Höbel. Die Originalausgabe „Making an Elephant: Writing from Within“ stammt aus dem Jahre 2009.

Darin findet sich eine Zusammenstellung von Texten, Interviews, Fotos und Gedichten, die Graham Swift über sein Leben oder besser gesagt aus seinem Leben zusammengestellt hat. Er erzählt über seine Kindheit, seine Familie, seinen Wunsch, Schriftsteller zu werden und sein „Leben im Schreiben“. Dabei widmet Swift immer wieder auch befreundeten Schriftstellerkollegen Texte, überwiegend in Form von Interviews. Entstanden ist eine Sammlung von Geschichten, die wie Swift sagt „das Persönliche“ betonen.

Swift beginnt mit seinen Kindheitserinnerungen an die Polio-Schutzimpfung und den Weihnachtsmann in der Grotte, schreibt über seine abenteuerliche Reise nach Griechenland in den 1960er Jahren vor Beginn seines Studiums, seinen späteren Aufenthalt dort als Englischlehrer und über die Gewissheit, dass er Schriftsteller werden wird. 1976 lernt Swift seinen ersten Lektor und Verleger, Alan Ross, kennen. Mit ihm veröffentlicht er seinen ersten Roman „Ein ernstes Leben“.

1983 wird Swift mit „Wasserland“ für den Man Booker Prize nominiert. Es folgen Interviews über das Schreiben mit Schriftstellerkollegen wie Patrick McGrath, Kazuo Ishiguro und Caryl Phillips. In Prag macht er sich 1986 auf die Suche nach dem Regimekritiker Jiří Wolf. Anfang der 1990er Jahre wird sein Buch „Wasserland“ verfilmt. 1992 stirbt Graham Swifts Vater und Jahre später schreibt er einen Text über ihn und das Basteln eines Elefanten aus Holz.

Swifts Gedichte füllen die Lücken zwischen dem Schreiben seiner Romane.

Swift berichtet über Weihnachten mit Salman Rushdie, seine Liebe zu den „Essais“ von Michel Eyquem de Montaigne aus dem 16. Jahrhundert, die Angeltouren mit dem Dichter Ted Hughes und die Bedeutung von Autoreninterviews, Orten und Historie für das „Wie des Schreibens“.

„Einen Elefanten basteln“ gibt einen ganz subjektiven Einblick in Graham Swifts Leben und Arbeiten. Er erzählt, wie er schreibt, aber auch in vielen Passagen, wie er nicht schreibt, wie zufällig manche Geschichten- oder Romanidee entsteht und wie andere Schriftsteller „das Leben im Schreiben“ erleben. Tatsächlich ist es ein persönliches Buch geworden, in dem ich als Lesende gerne geblättert habe. Swift erzählt mit feinem Humor. Er hat Texte ausgewählt, die mit launigen Erlebnissen aus dem Schriftstellerleben aufwarten wie die „mit Caz im Bamboo Club“. Er gesteht, dass Gedichte eine ganz besondere Bedeutung für ihn und sein Schreiben haben, und dass er die Lyrik von Raymond Carver schätzt. Swifts Vater Allan erhält posthum eine textliche, wenngleich etwas ausführlich geratene Hommage durch seinen Sohn.

Ein wenig ärgerlich für das Buch und die Lesenden sind allerdings ein paar Fehler, die dem Lektorat durchgegangen sind: wie bei dem Eingangszitat, das Swift zugeschrieben wird, jedoch von Caryl Phillips stammt, wenn man dem Text auf  S. 154 Glauben schenkt, oder die Beschreibung des Fotos auf S. 229 „Mein Vater trägt ein weißes Hemd und ein Paar weiße Shorts…“, obwohl der Vater -fotographisch festgehalten- dunkle Shorts trägt und zuletzt die Überschrift zu dem Kapitel über Montaigne (S. 433), in der Périgard statt Périgord steht.

Als begeisterte Leserin von Swifts fiktionalen Texten hatte „Einen Elefanten basteln“ für mich den besonderen Reiz, einmal hinter die Kulissen eines Schriftstellerlebens zu schauen. Und ich wurde beim Lesen nicht enttäuscht. Empfehlenswert!

Graham Swift: Einen Elefanten basteln: Vom Leben im Schreiben.
dtv, April 2019.
456 Seiten, Gebundene Ausgabe, 25,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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2 Kommentare zu “Graham Swift: Einen Elefanten basteln: Vom Leben im Schreiben

  1. Hallo,

    das klingt nach einem tollen Buch – allerdings sollte ich wahrscheinlich erstmal etwas Anderes von Graham Swifts literarischem Werk lesen! Ich muss gestehen, er ist einer der Autoren, die immer noch auf meiner „muss ich unbedingt mal lesen“-Liste versauern…

    Sehr schöne Rezension!

    LG,
    Mikka

  2. Hallo Mikka,
    vielen Dank.
    Auf jeden Fall empfehlenswert sind die beiden Swift-Titel „Der Festtag“ (2017) und „England und andere Stories“ (2016), die wir auch rezensiert haben. Und selbstverständlich „Letzte Runde“ aus dem Jahr 1997, wofür Swift den Man Booker Prize erhielt.
    Viel Spaß beim Lesen.
    Sabine

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