Graham Norton: Heimweh

Der irische Komiker, Schauspieler, Moderator und Buchautor Graham Norton wurde 1963 als Graham William Walker in Dublin geboren. Besonders bekannt wurde Norton durch die Comedy-Talkshow „The Graham Norton Show“. 2017 erschien sein Debütroman „Ein irischer Dorfpolizist“ bei Kindler in Deutschland. Nun veröffentlichte der Verlag am 19. Oktober 2021 Graham Nortons Buch „Heimweh“ in einer Übersetzung von Silke Jellinghaus und Katharina Naumann.

Ende der 1980er Jahre verunglücken in dem irischen Städtchen Mullinmore sechs junge Leute auf ihrer Rückfahrt von einem Ausflug zum Meer. Bernie Bradley und David Hegarty wollen am nächsten Tag heiraten. Carmel O’Connell, ihre Brautjungfer, und Linda, Carmels Schwester, Martin Coulter, der Sohn des Dorfarztes und Connor Hayes, dessen Eltern ein Pub in Mullinmore besitzen, sitzen in dem Auto, das an einem Kreisverkehr von der Straße abkommt und sich überschlägt. Bernie, David und Carmel sind tot, Linda schwerverletzt, Martin und Connor nur leicht. Connor Hayes hatte den Wagen gefahren. Nach dem Gerichtsprozess wird Connor nach Liverpool geschickt. Seine Schwester Ellen heiratet später Martin Coulter und Linda O’Connell sitzt im Rollstuhl. Für Connor beginnt in England ein anderes Leben. Er lernt Männer kennen und geht schließlich nach New York, wo er viele Jahre mit Tim zusammenlebt. Dort lernt er 2012 einen jungen Iren in einer Bar kennen. Und mit dieser Begegnung muss er sich der Vergangenheit in Mullinmore stellen.

Graham Nortons „Heimweh“ beginnt furios. Doch dann verliert die Geschichte dramatisch an Schwung. Weder der Erzählstrang um Connor noch der um seine Schwester Ellen in Mullinmore erfüllen meine Leseerwartungen. Dazu wird es einfach zu platt. Sowohl in der Sprache als auch im Spannungsverlauf. Dass die Figur Martin Coulter „Dreck am Stecken“ hat und außerdem noch ein Geheimnis verbirgt, ist viel zu offensichtlich, nur die arme Ellen scheint nichts zu ahnen. Connors Coming Out und sein anschließendes Leben in New York ist gespickt mit Klischees und Plattitüden:

„Tim und Connor auf Safari, am Strand, auf Partys, Eröffnungsfeiern, immer zusammen, und wenn man diesen Fotos glauben sollte, immer geradezu platzend vor Glück… Sie waren beide mehr als bereit, einander mit offenen Armen zu empfangen.“ (S. 141/142)

Na ja! Und auch die Auflösung um den Autounfall, mit dem der Roman so furios startet, ist dann nach vielen Buchseiten nicht mehr überraschend.

Schade, die Geschichte um einen schwulen Jungen im Irland der 1980er Jahre hat Potenzial, leider versteht Graham Norton es nicht (ganz im Gegensatz zu dem Schotten und Booker Prize Träger Douglas Stuart mit „Shuggie Bain“), dieses literarisch zu nutzen.

Graham Norton: Heimweh.
Aus dem Englischen übersetzt von Silke Jellinghaus & Katharina Naumann.
Kindler, Oktober 2021.
384 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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