Gilly Macmillan: Perfect Girl

Ich muss zugeben, bezüglich dieses Buches bin ich sehr zweigeteilt. Auf der einen Seite ist es ein gut aufgebauter Thriller mit einer starken Protagonistin. Auf der anderen Seite gefällt mir die Botschaft nicht.

Zoe Maisey gibt ihr erstes Konzert als Pianistin in ihrem neuen Leben. Am nächsten Morgen ist ihre Mutter tot. Das ist kein Spoiler, das steht auf den ersten Seiten. Im folgenden wird erst Zoes Leben auf den Prüfstand gestellt und anschließend das ihrer ganzen Familie. Die Familie ist zum Teil angeheiratet. Vor drei Jahren hatte Zoe nämlich einen Autounfall, an dem sie schuld war und bei dem drei ihrer Mitschüler starben. Sie war betrunken und hat ihre Strafe bereits abgesessen. Ihre ursprüngliche Familie ist allerdings daran zerbrochen. Ihre Mutter hat wieder geheiratet, einen Witwer mit einem Sohn in Zoes Alter, der auch Klavier spielt. Sie dürfen nicht erfahren, was damals geschehen ist. Der Grund dafür zeigt sich erst am Ende des Buches, bis dahin glaubt man nur, ihre Mutter würde sich für Zoe schämen.

Der Leser wird sofort in die Geschichte hineingeworfen und es bleibt bis zum Schluß wirklich spannend. Der Plot hat genau die richtige Kombination aus „Ich ahne was.“ und „Wie konnte das denn jetzt passieren?“. Soweit also ein tolles Buch.

Es gibt aber ein ABER. „Perfect Girl“ hat eine sehr junge Protagonistin, Zoe ist ja noch von ihrer Mutter abhängig, also fast noch ein Teenager. Ich habe es gerade noch mal nachgeschlagen, es ist definitiv ein Thriller, kein Jugendbuch, obwohl ich die meiste Zeit beim Lesen diesen Eindruck hatte. OK, für einen Thriller ist das Ende raffiniert, spannend, kreativ. Sollte aber jemand auf den Gedanken kommen, dass als Jugendbuch zu kaufen, hätte ich glaube ich ein Problem mit dem Ausgang. In den letzten Jahren sind zwar viele No-goes für Jugendbücher gefallen, seit den „Tributen von Panem“ darf es Tote geben und ich glaube, sogar Vergewaltigungen werden inzwischen akzeptiert. Wie Zoe allerdings am Ende – mit gutem Grund und auch zum Teil bewundernswert – das System verstanden hat und nutzt, ist definitiv keine Botschaft für ein Jugendbuch.

Fazit: Super spannend aufgebauter Thriller mit kreativen Wendungen.

Gilly Macmillan: Perfect Girl – Nur du kennst die Wahrheit.
Knaur, Februar 2017.
464 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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