George R. R. Martin: Die Flamme erlischt

flammeSie kennen Game of Thrones, die zurecht gefeierte TV-Serie, die in Punkt Einschaltquoten aber auch Komplexität und Ideenreichtum alle Rekorde sprengt?

Dann wissen Sie vielleicht auch, dass sich die Handlung der Reihe ein gewisser George R. R. Martin ausgedacht hat.

Wenn Sie aber gerade nicht, wie ich, zu einem älteren Semester gehören, dann werden Sie kaum auch nur ahnen, dass eben jener mittlerweile gefeierte Autor schon 1978 in Deutschland mit seinem Romanerstling debutierte. Zum Auftakt der damals neu lancierten, und von Martin-Freund und Agenten Werner Fuchs herausgegebenen Knaur SF Reihe erschien Martins „Die Flamme Erlischt“ zum ersten Mal auf Deutsch. Fuchs hatte damals die Übersetzung des wohltuend dünnen Romans gefertigt, die für vorliegende Neuausgabe von Catherine Beck überarbeitet wurde.

Im Buch stellt uns der Autor den Planeten Worlon vor. Als Wanderer zwischen den Sternen zieht dieser seine Bahn, ist in den letzten Jahrzehnten im wärmenden Bereich eines Sonnensystems gewesen, und von den Außenwelten als Festivalbühne genutzt worden.
Jede Außenwelt, die etwas auf sich hielt hat auf dem Planeten eine eigene Stadt errichtet, die ihre markantesten Wesenszüge und Merkmale präsentieren sollte.

Jetzt aber ist die Zeit des Feierns und der Ausstellungen vorbei, Worlan verlässt den Bereich der wärmenden Sonnen, ist zum Verweilen im ewigen Eis verdammt.

Auftritt für Dirk t´Larien, einen Menschen, der seine einzig wahre Liebe vor Jahren verloren hat und dieser weiterhin nachtrauert. Einst hatten Gwen und er sich ewige Liebe versprochen. Als Dirk eine Sendung seiner verloren geglaubter Flamme erhält, reist er ohne zu zögern nach Worlan, der neuen Heimat Gewns. Doch statt, wie erhofft, die alte Liebe zu reaktivieren findet Dirk seine einstige Geliebte in einer festen Beziehung wieder.

Bei den Kavalanern zählen Ehre und Tradition alles. Gwens Ehemänner, Jaan Vikary und Jajacek gehören noch zu den gemäßigten ihrer Kultur.

Als sie versuchen, eine Menschenjagd zu verhindern, geraten sie zwischen alle Fronten …

Trotz der Kürze des Romans zeigen sich schon in diesem Frühwerk die unbestrittenen Stärken des Bestsellerautors. Mit leichter Hand entwirft er in einigen wenigen Sätzen komplexe, interessante und fremdartige Kulturen, reichert diese mit vielschichtigen Figuren an und überzeugt stilistisch, wie inhaltlich.

Dabei geht es dem Autor auch darum, für Toleranz eine Lanze zu brechen, und fremde Kulturen als interessant vorzustellen. Hierbei lässt Martin sich zu Beginn Zeit, seine Handlung auf ein solides Konzept zu stellen. So beschreibt er zunächst den Planeten, die fast verlassenen Städte und seine Figuren.
Erst in der zweiten Hälfte des Buches nimmt der Plot dann Tempo an, dann aber geht es voller Action hinein ins Abenteuer.

Die Figuren,allen voran Dirk verhalten sich wirklichkeitstreu und realistisch. Immer wieder hinterfragen diese ihre Aktionen, zweifeln an sich und ihren Handlungen.

Dominiert wird das Buch von der Beschreibung der unterschiedlichen Kulturen und Wesenszügen die mich in ihren Bann zogen. Das Kennenlernen, die Akzeptanz des Anderen, des Fremden ist einer der Schwerpunkte des Buches, der die Lektüre zum Erlebnis und höchst aktuell macht.

Der angenehm lesefreundliche Großsatz der Schrift sei erwähnt, erlaubte es mir dieses Mal auf die Lesebrille zu verzichten.

So ist dies eine längst überfällige Wiederentdeckung eines Klassikers und wird die Zeit bis zum nächsten GoT Roman überbrücken helfen.

George R. R. Martin: Die Flamme erlischt.
Penhaligon, Februar 2016.
448 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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