George R.R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer 9: Der Sohn des Greifen

eis1George R.R. Martins Fantasy-Epos „A Song of Ice and Fire“ (Deutsch: Das Lied von Eis und Feuer) befand sich schon bald nach Erscheinen der ersten Bände in vielen Bestsellerlisten.
Weitere Informationen zum Autor und zur gesamten „A Song of Ice and Fire“-Reihe finden sich in der Rezension von „Die dunkle Königin“.

„Der Sohn des Greifen“, die deutsche Folge 9, erschien im Mai bei Penhaligon. Nachdem der vorherige Band „Die dunkle Königin“ weitgehend in Westeros bzw. King‘s Landing (Königsmund) spielte und von Cersei, Jaime, Brienne, Alayne (Sansa) und Samwell handelte, liegt nun der Fokus auf Westeros‘ Norden und dem Nachbarkontinent Essos.

Dort regiert Daenerys über die Stadt Meereen, in der sie wie zuvor in Astapor und Yunkai die Sklaven befreit hat. Sie wird noch immer von der Prophezeiung über den dreifachen Verrat belastet, so dass sie sich ständig fragen muss, wem sie überhaupt vertrauen kann. Als sich ihr die Möglichkeit bietet, zur Eroberung Westeros‘ aufzubrechen, entscheidet sie sich vorerst dagegen um weiterhin zu versuchen, Meeren durch ihre Regentschaft Frieden und Gerechtigkeit zu bringen. Aber ihre Feinde, die von ihr besiegten Herren der Sklavenhalterstädte, drohen ihr mit Krieg.

Auch Tyrion verschlägt es durch die Intrigen von Varys und Illyrio Mopatis nach Essos.
Das Verbrechen, seinen Vater ermordet zu haben, lässt ihn genauso wenig los wie die Gedanken an seine ehemalige Frau Tysha, die sein Vater zur Hure gemacht hat. Er ertränkt seine Wut und die Abscheu über seine Taten in Unmengen Alkohol. Schließlich schickt Illyrio ihn zu dem geheimnisvollen Greif, mit dem er zu Daenerys reisen soll. Hier begegnet er auch Greifs Sohn, dessen wahrer Identität er bald auf die Spur kommt.

An der Mauer ist Jon Snow (Schnee) jetzt Lord Commander der Nachtwache und muss sowohl mit König Stannis und dessen roter Priesterin Melisandre als auch der Bedrohung aus dem Norden und den von dort geflohenen Wildlingen fertig werden. Er scheint ganz der Sohn seines Vaters Eddard Stark zu sein. Er trifft extrem harte aber notwendige und überlegte Entscheidungen, die ihn fast herzlos und brutal erscheinen lassen, letztendlich aber seiner Pflicht geschuldet sind.

Bran und seine Freunde sind noch immer auf dem Weg weiter in den Norden. Der geheimnisvolle Kalthand ist auf dieser Reise, die von Hunger und der Gefahr durch die Wiedergänger gekennzeichnet ist, ihr Führer. Schließlich erreichen sie ein geschütztes Höhlensystem, das von den „Kindern des Waldes“ bewohnt wird. Und hier trifft Bran auch den, den er als die dreiäugige Krähe kennt.

Quentyn Martell, Sohn des Fürsten von Dorne wird von seinem Vater auf Brautschau geschickt. Er reist nach Essos um Daenerys zu finden und um ihre Hand zu bitten. Gemeinsam mit ihr und ihren Drachen will er Westeros erobern.

Als Abgesandter König Stannis‘ erreicht Davos Seaworth (Seewert) White Harbor (Weißwasserhafen), wo er von Lord Manderly wenig freundlich empfangen wird. Wenn Manderly seinen ältesten Sohn aus der Gefangenschaft der Lannisters befreien will, muss er Davos hinrichten lassen.

Stinker befindet sich im Kerker von Dreadfort (Grauenstein). Das aufs Schrecklichste gefolterte, entsetzlich gealterte und völlig gebrochene Wesen war einst Theon Greyjoy (Graufreud), der Ziehbruder der Starkkinder und eigentliche Erbe der Eiseninseln. Theon hatte die Starks verraten und Winterfell erobert, wurde aber von Ramsay, dem Bastard von Bolton überfallen und eingekerkert. Ramsay wurde von König Tommen zum Lord von Hornwood (Hornwald) erhoben und ist Kastellan von Dreadfort. Er hat Theon durch entsetzliche Grausamkeiten zu seinem Geschöpf gemacht. Dann aber benötigt Ramsays Vater, Lord Bolton, Stinker für seine Intrigen wieder als Theon Greyjoy.

Der Buchtitel „Der Sohn des Greifen“ ließe sich auch umbenennen in „Felix Westros nube“. Die Schlachten und Kämpfe sind vorerst geschlagen – jetzt sollen Intrigen und Allianzen über Westeros‘ Eisernen Thron entscheiden. Daenerys weiß es zwar noch nicht, aber die Zahl ihrer Freier scheint Legion zu werden. Insbesondere im Sohn des Greifen taucht ein sehr interessanter Aspirant auf, wobei es nicht vollständig sicher zu sein scheint, dass er auch wirklich der ist, für den er sich ausgibt. Quentyn Martell und seine Geschichte wirken allerdings eher blass und wenig interessant.
Insbesondere Davos‘ und Brans Geschichte sind dagegen mitreißend und lassen spannende Fortsetzungen erwarten.
Bei Tyrions Charakter zeigt der Autor wie gut er es versteht, seine Protagonisten durch seelische Untiefen zu schicken, die ihr Wesen grundlegend verändern. Aus dem umsichtigen und gerechten Verteidiger und Lenker von King’s Landing wird ein halt- und willenloser Zyniker, der sich in den von Dritten gesponnen Intrigen treiben lässt.
Am erschütterndsten und bewegendsten ist aber zweifellos das Schicksal von Theon Greyjoy, dessen Charakter durch den Verrat an den Starks sicher nicht sympathischer geworden ist. Jetzt aber bleibt nichts anderes, als die seelische und körperliche Ruine, die aus ihm gemacht wurde, zu bemitleiden. Seine Geschichte ist zweifellos die eindringlichste.
Der Tatsache, dass der Großteil der Geschichte in Essos spielt, ist wohl zuzuschreiben, dass der Leser dieses Mal mit einer Unmenge neuer Charaktere und Schauplätze überschüttet wird. Hier verliert man des Öfteren einmal den Überblick.
Band 9 hat neben dem üblichen Anhang, der die Personen und ihre Zusammenhänge auflistet, zusätzlich ein sehr hilfreiches Glossar, das die ursprünglichen (englischen) Personennamen und Begriffe den neuen, ins Deutsche übersetzten, gegenüberstellt.

George R.R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer 9: Der Sohn des Greifen.
Penhaligon, Mai 2012.
832 Seiten, Taschenbuch, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Pia Konle.

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