Georg M. Oswald: Alle, die du liebst

Georg M. Oswald, ein 53-jähriger deutscher Autor, lässt seine Hauptfigur, den Anwalt Hartmut Wilke, nach Kenia reisen. Dort trifft er seinen Sohn Erik, zu dem er nie ein besonders gutes Verhältnis hatte.

Erik hat auf der (fiktiven) Insel Kiani für viel Geld eine Bar gekauft, die er seinem Vater nun stolz präsentieren möchte.

Doch auch Vater Hartmut hat gute Gründe, zumindest vorübergehend eine Auszeit von Deutschland zu nehmen. Beruflich hat er eine Steuerhinterziehungsklage am Hals, privat einen schlimmen Scheidungskrieg mit seiner Exfrau Clara. Doch der Trip, auf dem Hartmut von seiner 20 Jahre jüngeren Freundin Ines begleitet wird, scheint ein Erfolg zu werden …

Oswald schreibt seine Geschichte in einem recht nüchternen und faktenlastigen Stil. Dadurch entsteht beim Leser eine gewisse Distanz. Man taucht nicht in dem Maße in die Köpfe der handelnden Figuren ein, wie es wünschenswert wäre.

Die Reise läuft schnell aus dem Ruder. Irgendwelche Warlords, selbsternannte Inselherrscher oder obskure Polizeigeneräle machen Hartmut und seiner Freundin das Leben schwer. Was zunächst nur so aussieht wie der berühmte „clash of culture“, also das Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Kulturen, wächst sich bald zur lebensbedrohenden Situation für das Paar aus. Zu allem Überfluss ist nicht klar, inwieweit Sohn Erik dabei seine Hände im Spiel hat.

Nach der Lektüre ist nicht klar, was Oswald, der übrigens mal den Berlin-Verlag geleitet hat, mit diesem Roman eigentlich sagen will. Es sieht aus wie dies: „Leute, lasst Eure Wohlstands-Sorgen in Ländern wie Deutschland hinter Euch, begebt Euch in die Knechtschaft irgendwelcher unberechenbaren Warlords in Afrika, und Ihr habt ein schönes Leben.“ Das kann ja wohl nicht gemeint sein. Es liest sich aber so.

Georg M. Oswald: Alle, die du liebst.
Piper, März 2017.
208 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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