Georg Adamah: Dein Land in Schutt und Asche

Jede Geschichte beginnt mit einer Idee. Bei dem Autoren Georg Adamah entstand aus so einer Idee 2018 eine Erzählung, und 2020 arbeitete er diese zu einem Thriller aus. Die Brisanz des Themas könnte nahelegen, der aktuelle Bezug wäre der Motor für dieses Buch gewesen. Doch bei genauer Betrachtung geht Georg Adamah einige Schritte weiter, indem er den Titel Dein Land in Schutt & Asche für sich sprechen lässt.

2025 befindet sich der Wissenschaftler Ismael in einem moralischen Dilemma. Auf der einen Seite liebt er seine Frau und Tochter, und auf der anderen Seite ist seine erste Jugendliebe wieder da. Beide Frauen wollen von ihm eine Entscheidung. Während Hannah mit Ismael und Tochter so schnell wie möglich nach Algerien auswandern will, verlangt Sophia von ihm die Trennung von seiner Familie. Doch Ismael ist zu keiner Entscheidung fähig. Als ihn die politischen Ereignisse überrollen, kann er nur noch reagieren. Direkt vor seiner Haustür sieht er gewalttätige Demonstranten und die ebenso gewalttätige Reaktion von Polizei und Heer. Innerhalb weniger Stunden brennt seine Heimat. Es wird wild geschossen und niemand weiß so genau, wer Freund oder Feind ist. Auf seiner Flucht schließt Ismael sich einer kleinen kämpferischen Einheit an, die nach Libyen will. Doch ihre Flucht wird zu einem Todeskommando, als sie zwischen die Fronten geraten. Denn im Norden kämpfen die Reichsbürger, im Westen rücken die Amerikaner an, im Osten die Russen und im Süden die Chinesen. Jeder schießt auf jeden. Deutschland wird zu einem gesetzlosen Land, in dem nur der überlebt, der schneller schießt oder weglaufen kann.

In der Vergangenheit verfolgte Georg Adamah die politische Entwicklung im Osten: Ihn beschäftigten unter anderem die russischen Interventionen in Syrien und im libyschen Bürgerkrieg und der zunehmende wirtschaftliche Einfluss der Chinesen in Europa. Und nachdem er einen afrikanischen Flüchtling näher kennenlernen durfte, kam ihm der Gedanke: Was wäre, wenn in Deutschland ein Überleben so schwierig wird, dass die Flucht nach Afrika als rettender Anker empfunden wird.

Im Zentrum seines dystopischen Thrillers stehen Ismael, Elia und Samuel. Unter dem Gesichtspunkt nomen est omen haben Elia und Samuel prophetische Gaben. Elia kann in die Zukunft sehen, und Samuel verfolgt eine Aufgabe, die ihm bei seiner Kampfausbildung als Vermächtnis mitgegeben worden ist. Auch Hannah und Sophias Namen verweisen auf eine Prophetin und Wissende. Nur Ismael weigert sich, seiner Bestimmung zu folgen. Er spielt den ungläubigen Thomas, der nur an das glaubt, was er sieht. Selbst sein nächstes Forschungsprojekt macht ihn nicht zu einem Sehenden. Statt die Einkommensverteilung und den gesellschaftlichen Wandel zu erforschen, lernt Ismael nun alles in der brutalen Schule der Praxis. Sein Honorar sind Naturalien und das nackte Überleben.

Ob nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine der Krieg weiter in den Westen ziehen wird, wird die Zukunft zeigen. Doch was erfahrungsgemäß passieren könnte, beschreibt Georg Adamah plastisch, spannend und erschreckend zugleich. Denn er blickt nicht nur auf eine wissenschaftliche Karriere zurück, sondern arbeitet aktuell als politischer Berater.

Der eigentliche Thrill ist die Geschichte hinter dieser Flucht in den Süden, die zwischen den Zeilen zwei Fragen nicht beantwortet: Wie konnte es so weit kommen, und welche Maßnahmen hätten ergriffen werden müssen, um eine feindliche Übernahme zu verhindern?

Georg Adamah: Dein Land in Schutt und Asche.
Redrum Books, Mai 2022.
423 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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