Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die stille Glut

grappaDie Bierstädter Polizeireporterin Maria Grappa schreibt an einer Serie über Opfer von Stalking. Da kommt ihr die skurrile Geschichte des evangelischen Pfarrers Guido Kasch gerade recht, vor dessen Haus eine zweiundsiebzigjährige Frau aus seiner Pfarrgemeinde regelmäßig erotische Tänze aufführt.

Doch bevor der Artikel über Kasch erscheinen kann, wird der Pfarrer grausam ermordet. Maria Grappas Recherchen führen weit in die Vergangenheit zurück. Vor fünfzig Jahren verschwand die sechsjährige Tochter der Stalkerin auf dem Weg von der Schule nach Hause. Von dem Kind wurde nie mehr eine Spur gefunden. Kasch leitete vor mehr als zwei Jahrzehnten ein Ferienlager, in dem ein junges Mädchen, das dort als Küchenhilfe arbeitete, ebenfalls spurlos verschwand. Besteht zwischen beiden Fällen, trotz des großen zeitlichen Abstands, eine Verbindung?

In „Grappa und die stille Glut“, ihrem fünfundzwanzigsten Krimi um die taffe und schlagfertige Polizeireporterin Maria Grappa, schickt die 1952 geborene Autorin Gabriella Wollenhaupt ihre Heldin bei der Suche nach dem Mörder des Pfarrers auf eine verzwickte und spannende Zeitreise. Der Plot ist sorgfältig aufgebaut, Maria Grappa und mit ihr der Leser werden auf immer neue, miteinander verwobene Spuren geführt, bis sich nach und nach alle Fäden entwirren und zur überraschenden Auflösung des Falls führen.

Was die Romane um Maria Grappa jedoch so besonders unterhaltsam macht, ist neben der nicht klein zu kriegenden Heldin, die mittlerweile im Rentenalter sein müsste, die sorgfältige Ausgestaltung der Nebenfiguren. Grappas Leib-und-Magen-Bäckerin Anneliese Schmitz mischt ebenso mit wie der Fotograf Wayne Pöppelbaum. Die Nebenhandlung um Mäggi Wurbel-Simonis, die verjüngt und aufgekratzt aus ihrem Kenia-Urlaub zurückkehrt und deren afrikanischer Urlaubslover unverhofft vor ihrer Tür im konservativen Bierstädt steht, ist besonders vergnüglich zu lesen. Da gerät die eigentliche Krimihandlung fast ein wenig zur Nebensache.

Fazit: Spannender, schön verzwickter Fall mit einer sympathischen Heldin und liebenswerten Nebenfiguren. Gabriella Wollenhaupt im Hochform.

Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die stille Glut.
Grafit Verlag, Mai 2015.
224 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Martina Sprenger.

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