Gabriel Roth: Gleichung mit einer Unbekannten

gleiErik ist ein junger Mann, ein Nerd, der durch den Verkauf seines Computerprogrammes sehr reich geworden ist. Weder der Reichtum noch die einhergehende Leere sind in seinem Leben geplant.
Was macht man mit einem Leben ohne konkrete Aufgaben und Pflichten? Wie geht man mit Mitmenschen um, die in Erik nur den Geldautomaten auf zwei Beinen, nicht aber den Menschen sehen?
Die neuen Freiheiten könnten ein Paradies sein, wenn dort echte Gefühle zwischen Mann und Frau die Regel wären. Doch im realen Leben benötigt Erik jede Menge Kreativität …
„… Ich frage mich, ob es wohl Prostituierte gibt, auf denen man weinen kann und die vielleicht für einen kleinen Bonus tröstende Laute machen.“ (S. 316)
Auf einer Party verliebt er sich auf den ersten Blick in Maya. Sie könnte die Liebe seines Lebens werden, wenn Erik wüsste, wie man so etwas erfolgreich beginnt. Auch fehlen ihm Vorstellungen und Erfahrungen, wie man nach der ersten Verabredung eine glückliche Beziehung aufbaut.
Der Autor Gabriel Roth, geboren 1973 in London, hat in seinem ungewöhnlichen Roman „Gleichung mit einer Unbekannten“ aus der Perspektive des nach Liebe suchenden Mannes geschrieben. Tiefsinnig und unterhaltsam zugleich erzählt der Ich-Erzähler von seinen zahlreichen Pleiten, wie er ein Nerd wurde und den Schwierigkeiten seinen Platz im Leben zu finden. Dabei übernimmt sein Vater die Rolle des Antihelden und ist zugleich ein Vorbild der besonderen Art.
„… „Also hör mal zu, ich habe ein Angebot für dich“, sagt er mit dem befremdlichen Enthusiasmus eines Vertreters, der sich vor dem Verkaufsgespräch Mut gemacht hat.
„Was soll das für ein Angebot sein, Dad?“ frage ich und bringe die Bogenschützen und Kessel mit siedendem Öl auf den Festungsmauern meines Herzens in Stellung.“ (S.71)
Spätestens zu diesem Zeitpunkt hat Gabriel Roth mit seiner Sprachvirtuosität die Festungsmauern eines Leserherzens erobert.

Gabriel Roth: Gleichung mit einer Unbekannten.
Diogenes, August 2013.
321 Seiten, Taschenbuch, 14,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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