G. R. Gemin: Milchmädchen

milchAls die 13-jährige Gemma mit dem Fahrrad stürzt, wird sie von all den Menschen, die in dem kleinen walisischen Ort leben, ausgerechnet vom Cowgirl gerettet. Die eigenbrötlerische Kate ist in der Schule Außenseiterin und wird regelmäßig von Gemmas Freundin Sian gemobbt. Als Gemma ihrer Oma von dem Zusammentreffen mit der Außenseiterin vom Bauernhof berichtet, ist die Feuer und Flamme. Sie will Kate unbedingt kennenlernen, da sie selbst als junge Frau auf dem Hof der Familie gearbeitet hat. Gemma steckt mächtig in der Zwickmühle, denn ihre Freundin Sian darf niemals erfahren, dass sie sich mit Kate irgendwo sehen lässt. Und dann wird Gemma unversehens in ein Abenteuer gezogen, in dem zwölf Kühe eine wichtige Rolle spielen. Kates Vater will diese Kühe verkaufen und Kate setzt alles daran, es zu verhindern. Doch wo soll man ein Dutzend Kühe in einem kleinen Ort verstecken?

„Milchmädchen“ beschreibt eine herrlich-schöne Geschichte, die sich zwar gelegentlich an Klischees bedient, deswegen aber keineswegs schlecht ist. Für Mädchen ab 12 Jahren entsteht schnell eine lustige und lehrreiche Geschichte, bei der die Entwicklung der jungen Protagonistin nachvollziehbar ist. Gemma ist 13, hat einen jüngeren Bruder, den sie nicht ausstehen kann und mit dem sie sich regelmäßig in die Wolle bekommt. Ihre Mutter ist zurzeit allein für den Familienunterhalt zuständig, weil der Vater im Gefängnis sitzt; sie steht ständig unter Strom. Wichtige Bezugsperson ist auch Gemmas Oma, doch die besucht das Mädchen viel zu selten. Erst als die Oma plötzlich eine Kuh im Garten stehen hat, erwacht Gemmas Interesse – und nicht nur Gemmas, die ganze Siedlung steht plötzlich bei der alten Dame Schlange. Zuletzt sind noch Gemmas Freunde zu erwähnen, zu denen keine besonders tiefe Bindung zu bestehen scheint. Wie Kids aus einem sozialen Brennpunkt verhalten sie sich laut und schrecken vor Diebstählen oder Gewalt nicht zurück. Der Autor zeichnet ein authentisches Bild der Situation und es gelingt sehr schnell, sich mit dem Mädchen zu identifizieren, auch wenn man selbst nur wenige ihrer Erfahrungen teilen sollte.

Alles in allem eine tolle, durchaus lesenswerte Geschichte, der das ein oder andere Klischee gar nicht so sehr schadet. „Milchmädchen“ bleibt trotzdem sehr nett!

G. R. Gemin: Milchmädchen.
Königskinder, März2016.
272 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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