Frank Goosen: Raketenmänner

rakRundum sympathisch und warmherzig wirken die 16 Storys in der Geschichtensammlung „Raketenmänner“ des 1966 geborenen Bochumer Autors Frank Goosen.

Die analog zum Titel durchweg männlichen Hauptfiguren sind dabei allerdings kaum auf dem steilen Weg nach oben wie eine Rakete – im Gegenteil: Sie stehen oft an einem Scheideweg, finden sich in den Realitäten, in denen sie leben, nicht zurecht. Goosens Helden sind Jedermänner und wirken gerade deswegen so lebensecht. Da gibt es den Journalisten Kamerke, der verzweifelt versucht, seine Frau zu betrügen, den einsamen Chef Frohnberg, der von einem Haus am Meer träumt, oder Wenzel, der von dem Geld seines Großvaters einen Plattenladen eröffnet, in dem sich zwar junge Paare zum Knutschen treffen, der sich aber kaum rentiert. Solche Männer setzten sich manchmal lieber in ein Baumhaus, das sie für ihre Kinder gebaut haben, als in ihre Wohnung zurückzukehren, wo die Familie wartet.

Viele der Geschichten sind lose miteinander verbunden. Charaktere, die in einer Story nur am Rande vorkommen, werden in einer anderen zur Hauptfigur. Auf diese Weise entsteht nach und nach ein geschlossenes Ganzes – fast wie bei einem Roman.

„Raketenmänner“ wirkt insgesamt viel frischer als manches, was Goosen in früheren Jahren veröffentlicht hat, als er sich gelegentlich etwas zu sehr in eine rückwärtsgewandte 70er-Jahre-Nostalgie hineingesteigert hat. Diesen Touch gibt’s zwar zuweilen auch in diesem Buch – etwa wenn’s um Fleetwood Mac, alte Western oder C-90-Kassetten geht –, aber mit der richtigen Dosierung.

Frank Goosen: Raketenmänner.
Kiepenheuer & Witsch, Februar 2014.
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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