Frank Goosen: Kein Wunder

Das Berlin der Achtziger hatte immer was Verstörendes an sich. Es ist genau die Zeit, in der auch ich des Öfteren über Helmstedt nach Berlin gurkte. Mal mit Band, mal einfach so oder zu einem Pokalspiel. Alleine das sich nähern an die Grenzkontrollen… ich kann heute noch das Gefühl in mir schmecken von dieser absurden (zu leicht, ich weiß) Scheiße. Jedenfalls spielt Goosens Roman Ende der Achtziger, also kurz vor dem Mauerfall. Wunderbar beschrieben sind Dialoge zwischen Ost – und Westlern, noch nicht geprägt von dem baldigen Zusammenbruch, sondern eher davon, dass keiner überhaupt einen Plan hat. Außer Fränge, aber das hat eher mit seinen Frauengeschichten zu tun. Als Westler in Berlin darf er rüber und hat, so ist er nun mal, auf jeder Seite eine Flamme, Marta in Westberlin und Rosa im Osten.

Förster, den wir ganz nah begleiten, fährt mit Brocki, den gemeinsamen Kumpel Fränge in Berlin besuchen. Fränge, Brocki und Förster sind Bochumer Szenegeschichte. Nur ist Kneipenleben in Berlin eben doch was anderes als Tief im Westen. Und der Osten, vor allem in der subkulturellen Szene, die auf ihre Weise, aber eben leise, schon immer ihr Ding machten.  Förster verguckt sich ein wenig in Rosa als er mal „drüben“ ist und das ist aber für alle eher die kleinste Komplikation. Fränge hat es da schon schwerer, denn seine beiden Freundinnen wissen nichts voneinander, und so kann diese Sensation der Weltgeschichte, eben der Fall der Mauer, nicht in Fränges Interesse sein. Alleine schon dieser Gedankengang macht das Buch zu einer komödiantischen Lesereise! Ich war von Goosen noch nie enttäuscht, er ist einer meiner Ruhrgebietschronisten und ein wunderbarer Kollege. Kein Wunder – der kann es!

Frank Goosen: Kein Wunder.
Kiepenheuer&Witsch, Februar 2019.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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