Francesca Zappia: Von der Wahrscheinlichkeit, dass es dich nicht gibt

Das Leben von Alex ist kompliziert und strengt sie an. Alex hat seit ihrem 13. Lebensjahr die Diagnose paranoide Schizophrenie. Sie sieht Dinge, hört Stimmen, redet mit Gegenständen und glaubt an Verschwörungstheorien – und das schon, seit sie ein kleines Mädchen ist. Spätestens seit sie mit dem kleinen blauäugigen Jungen die Hummer aus dem Aquarium befreite. Doch ihre Mutter hat ihr erzählt, dass es keine Hummer gab, Alex sich diese nur eingebildet hat. Dann allerdings steht sie beim Schulwechsel zum letzten Schuljahr einen jungen Mitschüler gegenüber, der dem Jungen mit den blauen Augen wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Kann es sein, dass Miles und sie vor vielen Jahren doch die Hummer befreit haben?

Die Geschichte ist aus Alex‘ Perspektive erzählt und das macht das Ganze schon in sich spannend. Denn Alex sieht Dinge und hört Stimmen, die gar nicht da sind. Einmal beispielsweise sieht sie auf der Schultoilette eine gefährliche Schlange am Lüftungsschacht. Klarer Fall, Einbildung, sagt man als Leser oder Leserin. Wenig später allerdings erfährt Alex, dass vor vielen Jahren einmal eine Schlange in der Schule entkommen ist. Spätestens da sollte man nichts mehr glauben und alles in Frage stellen. Das von Francesca Zappia gewählte Setting ist großartig. Was sie dann allerdings daraus macht, hat mir nicht ganz so gefallen.

Die Geschichte tritt viele Kapitel lang auf der Stelle, ohne richtig vorwärts zu kommen. Alex schwirrt um Miles herum, der sowas wie der Schulschreck ist. Alle haben Respekt vor ihm, von manchen wird er sogar Boss genannt. Alex versteht den Wirbel um ihn nicht und ist unbeeindruckt. Dennoch kann sie sich ihm nicht entziehen, da durch ihn eine Erinnerung, die sie als Einbildung abgetan hat, umso realer wird. Aber obwohl der Jugendroman für vor allem Leserinnen ab etwa 14 Jahren nur eine normale Seitenlänge hat, zieht sich alles ewig hin. Das macht die gute Grundidee leider etwas kaputt.

Langweiliger Gesamtaufbau bei sehr guter Idee, aus dieser Geschichte hätte man mehr machen können.

Francesca Zappia: Von der Wahrscheinlichkeit, dass es dich nicht gibt.
dtv, April 2018.
384 Seiten, Taschenbuch, 15,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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