Felicitas Gruber: Gschlamperte Verhältnisse

Regionalkrimis sind hip, Gerichtsmediziner sind hip, fesche Derndl (= junge Frau, Geliebte, nicht zu verwechseln mit dem Dirndl!) sowieso: Warum also nicht alles kombinieren? Mit „Gschlamperte Verhältnisse“ – auf hochdeutsch: unordentliche oder gar anstößige Verhältnisse – legt das sich hinter dem Pseudonym Felicitas Gruber befindliche Schriftstellerinnenduo Brigitte Riebe und Gesine Hirsch bereits den fünften Band ihrer Reihe rund um die Münchener Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhuth vor. Unter dem Motto „In Giesing dahoam, am Seziertisch zuhause“ folgt diese Krimireihe ihrem ganz eigenen Tempo. Denn bei aller Leichenschau kommen die bayerische Gemütlichkeit, die Männerprobleme einer drallen Single-Münchnerin sowie der alte Konflikt zwischen Nord- und Süddeutschen nicht zu kurz. Statt auf Suspense wird hier in erster Linie der Humor bedient. Was nicht heißen soll, dass es die Fälle der Münchener nicht in sich haben.

Im katholischen Bayern werden Reliquien gestohlen. Darunter befinden sich drei auf heilig getrimmte Schädel, die in Wirklichkeit drei ermordeten Frauen gehören. Dies bildet den Ausgangspunkt des neuesten Falles von Sofie. Gemeinsam mit ihrem Ex-Mann, dem Hauptkommissar Joe Lederer, muss sie herausfinden, wer diese Frauen waren und ob hier ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Weitere Fälle, die an Norman Bates und „tödliche Unfälle im Haushalt“ erinnern, stehen ebenfalls auf Sofies To-Do-Liste. Die fesche Münchnerin bearbeitet die Leichen gemeinsam mit ihrer verhassten Kollegin Dr. Elke Falk, einer kühlen, gertenschlanken Hannoveranerin. Damit kann der stets für Anekdoten geeignete Kulturclash zwischen Bayern und Preußen im Plot ebenfalls ausgespielt werden. Dr. Falk wird mit den Männern des Freistaats nicht so recht warm und bedient sich neuerdings Online-Datingportalen. Damit wird sie unverhofft auch privat in den Fall involviert – und sogar Murmelchen, der gemeinsam von Sofie und Elke gehütete Mops, gerät in Gefahr! Als wäre das nicht alles aufregend genug, muss sich Sofie im Privatleben zwischen zwei Männern entscheiden.

„Gschlamperte Verhältnisse“ ist ein durch und durch bayerischer Regionalkrimi. Kenntnisse des süddeutschen Dialekts erweisen sich von Vorteil. Die Hauptdarsteller verweilen zwar überwiegend im geschriebenen Deutsch, Nebenfiguren wie Tante Vroni ziehen dialekttechnisch aber ordentlich vom Leder. Wer also nicht weiß, was ein „Gspusi“ ist, sollte hierzu sein bayerisches Dictionary bemühen. Daneben wird das Lebensgefühl zwischen Isar und Alpen perfekt eingefangen. Denn natürlich lässt man bzw. frau sich hier von ein paar Leichen und Irren nicht den Tag vermiesen. Direkt nach der Sezierung einer bereits gallertartig zersetzen Leiche führt sich Sofie mit Genuss eine „Bayerisch Creme“ zu Gemüte! Vom Leben gezeichnete Ermittler oder in die Tiefe gehende psychologisch-psychopatische Profile suchen Leser auf diesen Seiten vergebens. Die „Bayerische Bridget-Jones am Seziertisch“-Variante setzt auf Humor sowie allerlei liebenswerte Zwei- und Vierbeiner.

Ein Buch wie ein literarischer Oktoberfest-Besuch: hart, herzlich und heiter zugleich…

Felicitas Gruber: Gschlamperte Verhältnisse: Ein Fall für die Kalte Sofie.
Diana, September 2018.
304 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Diana Wieser.

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Ein Kommentar zu “Felicitas Gruber: Gschlamperte Verhältnisse

  1. Hallo Diana,
    ich freue mich sehr, dass dir das Buch ebenso gefallen hat wie mir! Ich mir seit Teil 1 ein richtiger Sofie-Fan geworden. Ich finde, dass das das Autorinnenduo von Band zu Band steigert. Der 5. Teil ist für mich nämlich der beste. Eine sehr gute Kombination von allem.
    Dein letzter Satz gefällt mir ausnahmslos gut! Genau so kann man das Buch in ein paar Worten beschreiben. 😀
    GlG, monerl

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