F. Scott Fitzgerald: Liebe in der Nacht: und andere Lovestorys (1920)

scottSieben Geschichten, sieben Paare, sieben Mal Liebe: Da macht Perry sich für die reiche Betty auf einer Zirkusparty zum Kamel. Toby wird zum mutigen Piraten, der die zickige Ardita auf eine einsame Insel entführt. Val findet in der Titelgeschichte „Liebe in der Nacht“ seine erste Liebe auf einer Yacht im Mittelmeer bei einer namenlosen, unglücklich verheirateten Schönen. Der junge Südstaaten-Offizier Andy hat bei der Provinzschönheit Ailie, die von Mann zu Mann flattert wie ein Schmetterling, kein Glück. Auch die Liebe des ehrgeizigen Studenten und Footballspielers Basil zu Minnie bleibt unerfüllt. Phil, der nüchterne Anwalt, liebt Julia, die sich zunächst jedoch in den charmanten, alkoholabhängigen Dick verguckt. Und der Produzent Jim erkennt in den Kulissen der Filmindustrie Hollywoods erst spät seine Gefühle für die schöne Jungschauspielerin Pamela, die sich und ihr Talent überschätzt.
Fitzgeralds Geschichten-Personal gehört, wie er selbst auch, der sogenannten Upper-Class, den Reichen, Jungen und Schönen im Amerika der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts an. Sie treffen sich auf Partys, Bällen und Yachten, sind erfolgreich und selbstbewusst, sie feiern sich selbst und das Leben. Fitzgerald schreibt seinen Protagonisten Freud und Leid der Liebe auf die hübschen Leiber. In der Sprache so prall und unnachahmlich wie in seinen Romanen. Fitzgerald, das Erzähl-Genie, dem selbst die vielen Adjektive verziehen werden, brilliert auch in der Short Story. Dabei erinnern die Liebesgeschichten mal an eine orientalische Erzählung aus Tausendundeine Nacht, mal an eine südamerikanische Telenovela.

Ist der Ton in sechs der sieben Erzählungen, die zwischen 1920 und 1931 überwiegend in der damals sehr erfolgreichen amerikanischen Wochenzeitschrift „The Saturday Evening Post“ erstveröffentlicht wurden (wie im Nachweis am Ende des Buches nachzulesen ist), ähnlich aufgeräumt, mal mit – mal ohne Happy-End, so mischen sich in „Der letzte Kuss“ zum Abschluss des Buches, den Fitzgerald 1940 (sein Todesjahr) schrieb und der erst 1949 erschien, auch dunklere Klänge. Diese Lovestorys sind wie gut gemachte Schnappschüsse von der Zeit und der Gesellschaft, in der F. Scott Fitzgerald lebte und die er in seinen Romanen „Der große Gatsby“ oder „Diesseits vom Paradies“ so lebendig wie ausführlich beschrieb.
Herausgebracht hat der Diogenes Verlag die von Silvia Zanovello ausgewählten Lovestorys in einem schicken, dunkelblauen Leineneinband mit goldenen Lettern und Motiven, ausgestattet mit edlen dunkelroten Einband-Innen- und Leerseiten und einem gleichfarbigen Lesebändchen. So ist das Buch nicht nur für F. Scott Fitzgerald – Fans, sondern auch für Romantiker, Frisch- und Langzeitverliebte ein Augen- und Lesegenuss.

F. Scott Fitzgerald: Liebe in der Nacht: und andere Lovestorys (1920).
Diogenes, November 2015.
256 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.