Espen Dekko: Sommer ist trotzdem

Alles ist diesen Sommer anders. Die 9-jährige Ich-Erzählerin der Geschichte hat gerade eben ihren Vater durch eine Krankheit verloren. Weinen kann sie nicht, die Tränen kommen einfach nicht. Das Verhältnis zu ihrer Mutter ist verständlicherweise schwierig. Der Sommer bei den Großeltern verspricht einen Tapetenwechsel. Doch dann jagt bei den Großeltern eine Katastrophe die nächste. Ein kleiner Wal wird an der Küste angespült und stirbt wenig später. Das Mädchen ist enttäuscht: Warum sterben bloß immer alle?

Über den Wal denkt sie nach: „Wenn er eine Familie hat, hoffe ich, dass sie wissen, dass er tot ist. Damit sie nicht nach ihm suchen. Ich hoffe, sie waren heute Nacht hier und konnten sich verabschieden.“ (Kapitel Ein toter Wal) Bei den Großeltern hätte sie der Konfrontation mit dem Tod entrinnen können, doch genau das Gegenteil passiert. Das Mädchen bekommt die Sterblichkeit allen Lebens immer wieder aufs Neue vor Augen geführt. Sie selbst weint nicht: „Kinder weinen viel öfter als Erwachsene. Ich nicht. Ich will nicht. Das bringt eh nichts. Das weiß ich, weil ich es versucht habe. Tränen ändern nichts.“ (Kapitel Ein toter Wal)

„Sommer ist trotzdem“, das von Karoline Hippe aus dem Norwegischen übersetzt wurde, ist ein Buch für Kinder ab neun Jahren und interessierte Erwachsene. Es ist nicht nur traurig, sondern macht auch Mut, sich Menschen gegenüber zu öffnen und mit ihnen über Erlebtes zu sprechen. Die namentlich nicht näher benannte Ich-Erzählerin findet schließlich Wege, mit ihrer Trauer umzugehen und alles ein bisschen besser zu verstehen. Der Sommer bei den Großeltern und die Erlebnisse an der Küste helfen ihr, die letzten Wochen zu verarbeiten. Espen Dekko hat dabei ein Feingefühl für die leisen Zwischentöne und legt ein überzeugendes Kinderbuch vor.

Espen Dekko: Sommer ist trotzdem.
Thienemann Verlag, Februar 2020.
208 Seiten, Gebundene Ausgabe, 13,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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